Der beschriebene Tännling
1845
1. Der graue Strauch
Wenn man die Karte des Herzogthumes Krumau ansieht, welches im
südlichen Böhmen liegt, so findet man in den dunkeln Stellen, welche die
großen Wälder zwischen Böhmen und Baiern bedeuten, allerlei seltsame und
wunderliche Namen eingeschrieben; zum Beispiele: »zum Hochficht,« »zum
schwarzen Stoke,« »zur tiefen Lake,« »zur kalten Moldau,« und dergleichen.
Diese Namen bezeichnen aber nicht Ortschaften oder gar Herbergen, die
solche Schilder führen, sondern ganz einfache Waldesstellen, die
hervorgehoben sind, um gewisse Linien und Richtungen anzugeben, nach
denen man in den weiten Forsten ohne Weg oder anderes Merkmal gehen
könnte. Die Namen sind von denjenigen Leuten erfunden worden, welche am
meisten ohne Weg und Bezeichnung im Walde zu gehen pflegen, nämlich
von Jägern und Schleichhändlern. Wie aber sinnliche Menschen, das heißt
solche, deren Kräfte vorzugsweise auf die Anschauung gerichtet sein müssen,
schnell die bezeichnenden Eigenschaften der Dinge finden, sind auch diese
Namen meistens von sehr augenfälligen Gegenständen der Stellen
genommen.
So heißt es auch in einem großen Fleke, der auf der Seite des böhmischen
Landes liegt, »zum beschriebenen Tännling.« Einen Tännling nennt man aber
in der Gegend eine junge Tanne, die jedoch nicht größer sein darf, als daß sie
noch ein Mann zu umfassen im Stande ist. Wenn nun ein Wanderer wirklich
zu der Stelle geht, auf welcher es zum beschriebenen Tänn ling heißt, so sieht
er dort allerdings eine Tanne stehen, aber dieselbe ist kein Tännling mehr,
sondern ein riesenhaft großer und sehr alter Baum, der gewaltige Aeste, eine
rauhe aufgeworfene Rinde, und mächtige in die Erde eingreifende Wurzeln
hat. An seinem Fuße liegen mehrere regelmäßige Steine, die wohl zufällig
dort liegen mögen, die aber wie zum Sizen hingelegt scheinen. Den Namen
beschrieben mag die Tanne von den vielen Herzen, Kreuzen, Namen und
andern Zeichen erhalten haben, die in ihrem Stamme eingegraben sind.
Natürlich ist sie einmal ein Tännling gewesen, die Steine, an denen sie stand,
mochten zum Sizen eingeladen, und es mochte einmal einer seinen Namen
oder sonst etwas in die feine Rinde eingeschnitten haben. Die verharschenden
Zeichen haben einen andern angereizt, etwas dazu zu schneiden, und so ist es
fort gegangen, und so ist der Name und die Sitte geblieben. Der beschriebene
Tännling steht mitten in dem stillen Walde, und die andern Tannen stehen
tausendfach und unzählig um ihn herum. Oft mögen sie noch größer und
mächtiger sein, als er. Der Wald, dem sie angehören, ist ein Theil jener
dunkelnden großen und starken Waldungen, die über den ganzen
emporgehobenen Landstrich gebreitet sind, der sich zwischen Böhmen und
Baiern dahin zieht.
In diesen Waldungen ist auch da, wo sie sich gegen das österreichische
Land hinziehen, ein helles lichtes Thal geöffnet, von dem wir an der zweiten
Stelle unserer Geschichte nach dem beschriebenen Tännling reden müssen,
weil sich in ihm ein großer Theil von dem, was wir erzählen wollen,
zugetragen hat. Das Thal ist sanft und breit, es ist von Osten gegen Westen in
das Waldland hinein geschnitten, und ist fast ganz von Bäumen entblößt, weil
man, da man die Wälder ausrottete, viel von dem Ueberflusse der Bäume zu
leiden hatte, und von dem Grundsaze ausging, je weniger Bäume
überblieben, desto besser sei es. In der Mitte des Thales ist der Marktfleken
Oberplan, der seine Wiesen und Felder um sich hat, in nicht großer Ferne auf
die Wasser der Moldau sieht, und in größerer mehrere herumgestreute Dörfer
hat. Das Thal ist selber wieder nicht eben, sondern hat größere und kleinere
Erhöhungen. Die bedeutendste ist der Kreuzberg, der sich gleich hinter
Oberplan erhebt, von dem Walde, mit dem er einstens bedekt war, entblößt
ist, und seinen Namen von dem blutrothen Kreuze hat, das auf seinem Gipfel
steht. Von ihm aus übersieht man das ganze Thal. Wenn man neben dem
rothen Kreuze steht, so hat man unter sich die grauen Dächer von Oberplan,
dann dessen Felder und Wiesen, dann die glänzende Schlange der Moldau
und die obbesagten Dörfer. Sonst sieht man von dem Kreuzberge aus nichts;
denn ringsum schließen den Blik die umgebenden blaulichen dämmernden
Bänder des böhmischen Waldes. Nur da, wo das Band am dünnsten ist, sieht
man doch manchmal auch noch etwas anderes. Wenn an einem Morgen
Regen bevorsteht, und die Luft so klar ist, daß man die Dinge in keinem
färbenden Dufte, sondern in ihrer einfachen Natürlichkeit sieht, so erblikt
man zuweilen im Südost über der schmalsten Waldlinie die norischen Alpen,
so weit und märchenhaft draußen schwebend, wie mattblaue starr gewordene
Wolken. Gewöhnlich überzieht sich an solchen Tagen gegen Mittag hin der
ganze über dem Waldlande stehende Himmel mit einer stahlgrauen
Wolkendeke, und läßt nur über den Alpen einen glänzenden Strich, zum
Zeichen, daß in dem niedriger gelegenen Oesterreich noch heiterer
Sonnenschein herrscht. Am andern Tage rieselt dann der feine dichte Regen
nieder, und verhüllt nicht nur die Alpen, sondern auch die umgebenden
blauen Bänder des Waldes.
Aber nicht blos wegen seiner Aussicht kömmt der Kreuzberg in Betracht,
sondern es sind auch noch mehrere Dinge auf ihm, die ihn den Oberplanern
bedeutsam und merkwürdig machen.
An einer Stelle stehen Felsen hervor, auf die man einerseits eben von dem
Rasen hinzu gehen kann, und die andererseits tief und steil abfallen, fast
vierekige Säulen bilden und am Fuße viele kleine Steine haben. Es ist einmal
eine Bäuerin gewesen, die wegen ihrer außerordentlichen Schönheit berühmt
war. Sie trug immer die Milch, die sie den fernen Arbeitern auf einer Wiese
zur Labung brachte, über den Kreuzberg. Weil sie aber den Worten eines
Geistes kein Gehör gab, wurde sie von ihm auf ewige Zeiten verflucht, oder
wie sich die Bewohner der Gegend ausdrüken, verwunschen, daß an ihrer
Stelle die seltsamen Felsen hervor stehen, die noch jezt den Namen
Milchbäuerin führen. Die Säulen der Milchbäuerin sind durch feine aber
deutlich unterscheidbare Spalten geschieden. Einige sind höher, andere
niederer. Sie sind alle von oben so glatt und eben abgeschnitten, daß man auf
den niederern sizen und sich an die höhern anlehnen kann. In der sonnigen
Tiefe unter der Milchbäuerin sind die Pflanzbeete der Oberplaner, das ist,
aufgelokerte Erdstellen, in denen sie im ersten Frühlinge die Pflänzchen des
Weißkohles ziehen, um sie später auf die gehörigen Aeker zu verpflanzen.
Warum die Leute diese von ihren Wohnungen so entlegene Stelle wählen, ist
unbekannt, nur ist es seit Jahrhunderten so gewesen; befindet sich etwas
eigenthümliches in der Erde, oder ist es nur die warme Lage des Bodens, der
sich gegen Mittag hinabzieht, oder ist es die Abhärtung, welche die
Pflänzchen auf dem steinigen Grunde erhalten: genug, die Leute sagen, sie
gedeihen von keiner Stelle weg so gut auf den Feldern, wie von dieser, und
Versuche, die man unten in Gärten gemacht hat, fielen schlecht aus, und die
Sezlinge verkamen nachher auf den Aekern.
Nahe an der Milchbäuerin stehen zwei Häuschen auf dem Rasen. Sie sind
rund, schneeweiß, und haben zwei runde spizige Schindeldächer. Sie haben
keine Fenster und Simse, sondern nur eine kleine Thür. Wenn man bei dieser
Thür hinein schaut, so sieht man keinen Fußboden, sondern unten, durch den
Kreis der Ummauerung eingefangen, ein ruhiges klares Wasser, das den Sand
und den Kies seines Grundes so deutlich herauf schimmern läßt, wie durch
feines geschliffenes Glas. Auf jedem der zwei Wasserspiegel schwimmt ein
kleiner hölzerner Kübel, der einen langen Stiel hat, welcher bei der Thür
heraus ragt, daß man ihn fassen und sich Wasser herauf schöpfen kann.
Zwischen den zwei Häuschen steht eine sehr alte und sehr große Linde. Ihr
Stamm ist so mächtig, daß eine kleine Wohnung darin Plaz hätte, und ihre
mannsdiken Aeste gehen weit über die zwei spizigen Schindeldächer hinaus.
Wieder nicht weit von den Häuschen, so daß man etwa mit zwei
Steinwürfen hinreichen könnte, steht ein Kirchlein. Es ist das
Gnadenkirchlein der schmerzhaften Mutter Gottes zum guten Wasser, weil
ein Bildniß der heiligen Jungfrau mit den Schwertern des Schmerzes im
Herzen auf dem Hochaltare steht. Zwischen Oberplan und dem Kirchlein ist
ein junger Weg mit jungen Bäumen an den Seiten, so wie von dem Kirchlein
zu den Brunnenhäuschen ein breiter Sandweg mit alten schattigen Linden ist.
Außer den drei Dingen, der Milchbäuerin, den Brunnenhäuschen und dem
Kirchlein, ist noch ein viertes, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es ist
ein alter Weg, der ein wenig unterhalb des Kirchleins ein Stük durch den
Rasen dahin geht, und dann aufhört, ohne zu etwas zu führen. Er ist von alten
gehauenen Steinen gebaut, und an seinen Seiten stehen alte Linden; aber die
Steine sind schon eingesunken und an manchen Stellen in Unordnung
gerathen; die Bäume jedoch, obwohl sie schon manchen dürren Ast zum
Himmel streken, haben noch so viel Lebenskraft bewahrt, daß sie alle Jahre
im Herbste eine ganze Wucht von gelben Blättern auf die verwitternden und
verkommenden Steine zu ihren Füßen fallen lassen.
Wenn man das Kreuz auf dem Gipfel ausnimmt, so ist nun nichts mehr auf
dem Berge, das Merkwürdigkeit ansprechen könnte. Die obenerwähnten
Bäume sind die einzigen, die der Berg hat, so wie der Felsen der
Milchbäuerin der einzige bedeutende ist. Von Oberplan bis zu dem Kirchlein
ist der Berg mit feinem dichten Rasen bedekt, der wie geschoren aussieht,
und an manchen Stellen den Granit und den steinigen Gries des Grundes
hervor schauen läßt. Von dem Kirchlein bis zu dem Gipfel und von da nach
Ost, Nord und West hinunter stehen dichte rauhe knorrige aber einzelne
Wachholderstauden, zwischen denen wieder der obgenannte Rasen ist, aber
auch manches größere und gewaltigere Stük des verwitternden Granitsteines
hervorragt.
Von der Entstehung des Kirchleins und der Brunnenhäuschen gibt eine alte
Erzählung folgende Aufklärung:
In dem Hause zu Oberplan, auf welchem es zum Sommer heißt, und
welches schon zu denjenigen gehört, die sehr nahe an dem Berge sind, so daß
Schoppen und Scheune schon manchmal in denselben hinein gehen, träumte
einem Blinden drei Nächte hintereinander, daß er auf den Berg gehen und
dort graben solle. Es träumte ihm, daß er dreiekige Steine finden würde, dort
solle er graben, es würde Wasser kommen, mit dem solle er sich die Augen
waschen, und er würde sehen. Am Morgen nach der dritten Nacht nahm er
eine Haue, ohne daß er Jemanden etwas sagte, und ging auf den Berg. Er fand
die dreiekigen Steine und grub. Als er eine Weile gegraben hatte, hörte er es
rauschen, wie wenn Wasser käme, und da er genauer hin horchte, vernahm er
das feine Geriesel. Er legte also die Haue weg, tauchte die Hand in das
Wasser, und fuhr sich damit über die Stirne und über die Augen. Als er die
Hand weg gethan hatte, sah er. Er sah nicht nur seinen Arm und die
daliegende Haue, sondern er sah auch die ganze Gegend, auf welche die
Sonne recht schön hernieder schien, den grünen Rasen, die grauen Steine und
die Wachholderbüsche. Aber auch etwas anderes sah er, worüber er in einen
fürchterlichen Schreken gerieth. Dicht vor ihm mitten in dem Wasser saß ein
Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Gottes. Das Bildniß hatte einen lichten
Schein um das Haupt, es hatte den todten gekreuzigten Sohn auf dem Schoße
und sieben Schwerter in dem Herzen. Er trat auf dem Rasen zurük, fiel auf
seine Knie und betete zu Gott. Als er eine Weile gebetet hatte, stand er auf,
und rührte das Bild an. Er nahm es aus dem Wasser, und sezte es neben dem
größten der dreiekigen Steine auf den Rasen in die Sonne. Dann betete er
noch einmal, blieb lange auf dem Berge, ging endlich nach Hause, breitete
die Sache unter den Leuten aus, und blieb sehend bis an das Ende seines
Lebens. Noch an demselben Tage gingen mehrere Menschen auf den Berg,
um an dem Bilde zu beten; später kamen auch andere; und da noch mehrere
Wunder geschahen, besonders an armen und gebrechlichen Leuten, so baute
man ein Dächelchen über das Bild, daß es nicht von dem Wetter und der
Sonne zu leiden hätte. Man weiß nicht, wann sich das begeben hatte, aber es
muß in sehr alten Zeiten gewesen sein. Eben so weiß man nicht, was später
mit dem Bilde geschehen sei, und aus welcher Ursache es einmal in dem
Laufe der Zeiten nach dem Marktfleken Untermoldau geliehen worden ist:
aber das ist gewiß, daß der Hagelschlag sieben Jahre hintereinander die
Felder von Oberplan verwüstete. Da kam das Volk auf den Gedanken, daß
man das Bild wieder holen müsse, und ein Mann aus dem Christelhause, das
auf der kurzen Zeile steht, trug es auf seinem Rüken von Untermoldau nach
Oberplan. Der Hagelschlag hörte auf, und man baute für das Bild eine sehr
schöne Kapelle aus Holz, und strich dieselbe mit rother Farbe an. Man baute
die Kapelle an das Wasser des Blinden, und sezte hinter ihr eine Linde. Auch
fing man einen breiten Pflasterweg mit Linden von der Kapelle bis nach
Oberplan hinab zu bauen an, allein der Weg ist in späteren Zeiten nicht fertig
geworden. Nach vielen Jahren war einmal ein sehr frommer Pfarrer in
Oberplan, und da sich die Kreuzfahrer zu dem Bilde stets mehrten, ja sogar
andächtige Schaaren über den finstern Wald aus Baiern herüber kamen, so
machte er den Vorschlag, daß man ein Kirchlein bauen solle. Das Kirchlein
wurde auf einem etwas höheren und tauglicheren Orte erbaut, und man
brachte das Bild in einer frommen Pilgerfahrt in dasselbe hinüber, nachdem
man es vorher mit zierlichen und schönen Gewändern angethan hatte. Die
rothe Kapelle wurde weggeräumt, und über dem Wasser des Blinden, das
sich seither in zwei Quellen gespalten hatte, wurden die zwei
Brunnenhäuschen gebaut. Dadurch geschah es, daß die Linde, die hinter der
Kapelle gestanden war, nun zwischen den Brunnenhäuschen steht, und
dadurch geschah es, daß der Pflasterweg, der früher zur Kapelle hätte führen
sollen und unvollendet geblieben war, nun ohne Ziel und Zwek in dem Rasen
liegt. Ein Nachfolger des Pfarrers ließ den jungen Weg von Oberplan zu dem
Kirchlein machen, pflanzte die jungen Bäume an seine Seiten, und ließ von
den Schulkindern die kleinen Steine von ihm weg lesen, die sich aus Zufall
dort eingefunden hatten.
Das Kirchlein ist das nämliche, das noch heut' zu Tage steht. Das
Thürmchen mit den hellklingenden Gloken steht gegen Sonnenaufgang, die
Mauern sind weiß, nur daß sie an den Simsen und Fenstern hochgelbe
Streifen haben, die langen Fenster schauen alle gegen Mittag, daß eine
freundliche Helle ist, und an schönen Tagen sich der Sonnenschein über die
Kirchstühle legt. Das Gnadenbild befindet sich auf dem Hochaltare, so daß,
wenn am Morgen die Sonne aufgeht, ein lichter Schein um sein Haupt ist,
wie einstens im Wasser, da es sich dem Blinden entdekte. Manche Menschen
haben Kostbarkeiten und andere Dinge in das Kirchlein gespendet. Wie sehr
es gehegt und gepflegt werde, hängt jedesmal von dem Pfarrer in Oberplan
ab. Jezt ist immer, wenn nicht gar schlechtes Wetter ist, die zweite Messe
oben, und immer finden sich Andächtige ein, die ihr beiwohnen. Selbst in der
heißen Erntezeit, wo Alles auf den Feldern ist, sizen wenigstens einige
Mütterlein da, und beten zu dem wunderthätigen Bilde. Die Bewohner der
Gegend verehren das Kirchlein sehr, und Mancher, wenn er in den fernen
Wäldern geht und durch einen ungefähren Durchschlag derselben das weiße
Gebäude auf dem Berge sieht, macht ein Kreuz, und thut ein kurzes Gebet.
Wann das Kreuz auf dem Gipfel gesezt worden ist, ob es sammt dem
Namen des Berges schon vor dem Kirchlein vorhanden gewesen, oder erst
später entstanden ist, weiß kein Bewohner von Oberplan oder von den
umliegenden Ortschaften anzugeben.
Die Oberplaner gehen sehr gerne auf den Berg, besonders an
Sonntagnachmittagen, wenn es Sommer und schön ist. Sie gehen in das
Kirchlein, gehen unter den Wachholderstauden herum, gehen zu dem rothen
Kreuze und zu den zwei Brunnenhäuschen. Da kosten sie von dem Wasser,
und waschen sich ein wenig die Stirne und die Augenlider. Die Kinder gehen
wohl auch an andern Tagen hinauf, um unter den Wachholdersträuchen
gestreifte Schnekenhäuser zu suchen.
Nachdem wir nun den Schauplaz beschrieben haben, gehen wir zu dem
über, was sich dort zugetragen hat.
Wenn man von dem rothen Kreuze über den Berg nach Westen hinabgeht,
so daß die Häuser von Oberplan vor den Augen versinken, so geht man
Anfangs zwischen den dichten Wachholderstauden, dann beginnt feiner
Rasen, und dann stehen zuerst dünne und dann dichter einzelne
Föhrenstämme, welche die Pichlerner Weide heißen, weil einstens das Vieh
zwischen ihnen herum ging und weidete. Wenn man aber aus den
Föhrenstämmen hinaus getreten ist, so steht ein weißes Häuschen. Nicht weit
davon, etwa zwei Büchsenschüsse, beginnen Felder und Wiesen, in denen das
Dorf Pichlern liegt, durch das ein schöner Bach der Moldau zufließt.
Das weiße Häuschen ist vor vielen Jahren von den Besizern der
Schwarzmühle zu Pichlern zu dem Zweke erbaut worden, daß es allemal
einem alten Dienstboten, der lange und treu in der Schwarzmühle gedient
hatte, als Wohnung gegeben werde. Wenn auch das Häuschen einsam am
Rande der Weide liegt, so liegt es doch, wie es für das Alter nöthig ist, gegen
die Sonne gekehrt, und ist durch die Bäume vor den Winden geschüzt.
Zur Zeit, als das Kirchlein auf dem Berge schon stand, als es aber noch so
früh war, daß eben die Tage unserer Großeltern im Anbrechen waren, lebte in
dem weißen Häuschen eine Frau, die zwar kein Dienstbote in der
Schwarzmühle gewesen war, der man aber doch aus Mildthätigkeit das
Häuschen eingeräumt hatte, weil eben kein geeigneter Dienstbote vorhanden
gewesen war. Die Frau hatte nur eine Ziege, welche in dem Ställchen des
Häuschens angebunden war. Sie selber hatte das Stübchen daneben. Das
Winterholz, welches aus lauter dünnen Stäben bestand, die sich die Frau im
Walde gesammelt hatte, war um das Häuschen aufgeschlichtet, so daß nur die
Fenster durch kleine Oeffnungen heraus schauten, und das Dach auf dem
Holze aufzuliegen schien. Wenn sehr schönes Wetter herrschte, ging sie
gerne mit ihrer Ziege an den Zäunen gegen den Kramwiesbach hinaus, und
ließ sie die verschiedenen Blätter von den Gesträuchen des Zaunes fressen,
oder sie war häufig auf dem Kreuzberge, wo sie zwischen den Steinen und
den Wachholdergesträuchen die schlechten Blätter ausraufte, oder die blauen
Beeren in ihre Schürze sammelte. Manchmal kniete sie auch an dem rothen
Kreuze und betete, oder sie saß auf den flachen Steinen vor demselben, und
die Ziege stand vor ihr.
Diese Frau hatte ein Kind. Das Kind war ein Mädchen, und war so
außerordentlich schön, daß man sich kaum etwas Schöneres auf Erden zu
denken vermag. Aber wenige Menschen bekamen das Kind zu sehen; denn es
war immer in dem Stübchen, und wenn die Frau auf längere Zeit fortging,
sperrte sie dasselbe ein. Sie nährte es von der Milch der Ziege, von dem
Mehle, das ihr der Schwarzmüller oder andere gaben, und von manchem
Haupte Kohl oder Gemüse, das ihr die Leute auf Rainen oder auf Aekern
auszusezen erlaubten.
Als das Kind größer geworden war, erschien es wohl auch bei den Spielen
der Kinder auf dem Plaze zu Pichlern, allein es stand nur immer da, und sah
zu, entweder weil es nicht mitspielen durfte, oder weil es nicht mitspielen
wollte. Gegen Abend ging es allein unter den Föhrenstämmen herum, oder es
ging in das weiße Häuschen zurük.
In Oberplan herrscht der Glaube, daß dasjenige, um was man die
schmerzhafte Mutter Gottes zum guten Wasser am ersten Beichttage
inbrünstig und aufrichtig bittet, in Erfüllung gehen werde. Der erste Beichttag
der Kinder ist aber immer vor Ostern, dem wichtigsten Feste des ganzen
Jahres. So wichtig ist das Fest, daß die Sonne an demselben nicht wie an
jedem anderen Tage langsam aufgeht, sondern in drei freudenreichen
Sprüngen über die Berge empor hüpft. An diesem Feste bekommen die Leute
schöne Kleider, die frischen Fahnen und Kirchenbehänge werden ausgelegt,
und die Natur feiert die Ankunft des Frühlings. Damit nun auch die Kinder so
rein seien, wie die Kleider, die Kirchenfahnen und der Frühling, müssen
diejenigen, welche zum ersten Male zur Beichte gehen, dieses vor dem
Ostersonntage thun. Viele Wochen vorher werden sie schon unterrichtet, und
die Vorbereiteten ausgelesen. Wenn der Tag angebrochen ist, werden die
Erwählten gewaschen, schön angezogen, und von ihren Eltern zur Thür des
Pfarrhofes geführt. Wenn der Pfarrer öffnet, dürfen die Kinder eintreten, und
die Eltern gehen wieder nach Hause. In dem Innern des Pfarrhofes werden sie
geordnet, und da stehen sie mäuschenstille, und jedes hat einen Zettel in der
Hand, auf welchem Name und Alter steht. Wenn an einem die heilige
Handlung vorüber ist, geht es zerknirscht und demüthig in den Hintergrund.
Wenn Alle fertig sind, wird gebetet, es wird eine Anrede gehalten, und dann
dürfen sie zu ihren Eltern nach Hause zurükkehren. Zum Tische des Herrn
dürfen sie nach der ersten Beichte noch nicht gehen, weil dazu eine sehr
große Würdigkeit gehört, die sie nur den Eltern und erwachsenen Leuten
zuschreiben. Nach dem Essen gehen sie, wenn es schön ist, auf den
Kreuzberg. Wie sie bei der Beichte allein waren, so dürfen nun auch schon
andere Menschen mitgehen, meistens Eltern und Verwandte. Besonders
gesellen sich gerne alte Mütterlein hinzu, die ebenfalls gepuzt neben den
Kindern gehen, sie zur Andacht ermahnen und ihnen heilige Geschichten
erzählen. Man betet in dem Kirchlein, man geht auf dem Berge herum, und
gegen Abend begeben sie sich wieder nach Hause. So kann dieser Tag, der
der merkwürdigste ihres Lebens ist, nach und nach ausklingen, und es können
sich wieder die andern gewöhnlichen anschließen.
Einen solchen ersten Beichttag hatte auch Hanna, das Kind des Weibes in
dem weißen Häuschen. Das Mädchen war vorbereitet und würdig befunden
worden. Am Morgen führte es die Mutter auf dem ebenen Wege, der von
Pichlern nach Oberplan geht, hinüber. Viele andere Menschen hatten ihre
Kinder auch dahin geführt. Unter der dichten gepuzten Schaar, die sich vor
dem Pfarrhause versammelt hatte, stand nun auch Hanna, und aus dem
groben Kleide sah das feine Angesichtchen und die blauen Aederchen heraus.
Allen Mädchen waren ihre Haare von den Eltern straff zurük gekämmt
worden, und es war Puder auf dieselben gestreut, damit sie schön wären, und
in der festlich weißen Farbe da stünden. Nur Hanna's Haare waren dunkel
geblieben, weil ihre Mutter keinen Puder zu kaufen vermochte. An die
Hüften des Unterkleides hatte sie ihr zwei kleine feste längliche Puffchen
angenäht, daß das darüber angelegte Rökchen doch ein wenig wegstehe, und
einen Reifrok mache, wie er von den andern so schön wegragte, gleichsam
ein faltenreiches sanft hinab gebogenes Rädchen. Als die Kinder in den
Pfarrhof hinein gegangen waren, begab sich die Mutter wieder nach Pichlern
zurük. Da die Beichte aus war, ging Hanna auf dem ebenen Feldwege nach
Hause. Nach dem Essen ging sie abermals nach Oberplan, und ging mit einer
Schaar von Mädchen, bei denen auch keine Eltern waren, auf den Berg. Die
Kinder gingen zuerst in das Kirchlein zum Gebete, wo sie in den
sonnenhellen Bänken kaum mit den Häuptern hervorragten. Dann gingen sie
auf den höheren Theil des Berges empor und suchten Veilchen; denn der
Berg war bekannt, daß auf ihm die ersten dieser Blümchen wachsen, weil sie
in dem kurzen Grase unter dem schüzenden Geflechte des Wachholders einen
sichern Stand haben, und die mittägliche Sonne auf dem Abhange des Berges
leicht auf sie scheinen kann. Dann suchten sie auch Steinchen und andere
Dinge, und kamen bis zu dem rothen Kreuze empor. Von dem Kreuze gingen
sie zu den Brunnenhäuschen hinab. Sie schöpften sich Wasser, und benezten
sich die Lippen, die Stirne und die Augenlieder. Als der Abend erschienen
war, gingen manche, bei denen sich ihre Eltern befanden, nach Hause; andere
aber, die allein waren, blieben noch; denn die Kinder haben keine Rechnung
der Zeit und geben sich dem Augenblike unbedingt hin. Einige Mädchen,
worunter auch Hanna war, gingen gar gegen die Felsen der Milchbäuerin zu,
und sezten sich dort auf die Steine. Es hatte den ganzen Tag die Sonne auf
die Felsen geschienen, daß sich die Wärme in ihnen ansammeln und länger
nachhalten konnte, als an irgend einer andern Stelle des Berges. Die
Pflänzchen schauten aus den bebauten Pflanzbeeten am Fuße der Felsen
schon heraus, über der Gegend war ein leichter grüner Hauch, und die Kinder
erkannten recht gut diese Verheißung. Sie blieben sizen, manches der
Mädchen nahm die Hand seiner Nachbarin, legte sie an den Stein und sagte:
»Siehe nur, wie warm er ist.«
Als die Sonne schon hinter dem Rande des Waldes hinab gegangen war,
fragte eines der Mädchen ein anderes: »Um was hast du denn heute die
heilige Jungfrau gebeten, Elisabeth?«
»Ich habe sie um ein langes Leben und um eine gute Aufführung gebeten,«
antwortete die Gefragte.
»Und um was hast denn du gebeten, Veronika?«
»Ich habe auch um einen guten Lebenswandel gebeten,« sagte diese.
»Und du, Agnes?«
»Ich habe um gar nichts gebeten.«
»Und du, Cäcilia?«
»Ich auch nicht, mir ist nichts eingefallen.«
»Und du, Hanna?«
»Ich werde etwas sehr Schönes und sehr Ausgezeichnetes bekommen,«
sagte diese, »denn als ich zu der heiligen Jungfrau recht inbrünstig betete,
und das feste seidene Kleid sah, das sie anhat, und die goldenen Flimmer, die
an feinen Fäden am Saume des Kleides hängen, und die grünen Stängel, die
darauf gewebt sind, und die silbernen Blumen, die an den grünen Stängeln
sind, und da ich den großen Blumenstrauß von Silber und Seide sah, den die
Jungfrau in der Hand hat, und von dem die breiten weißen Bänder nieder
gehen: da erblikte ich, wie sie mich ansah, und auf die goldenen Flimmer, auf
die Blätter, auf die Stängel und auf die Bänder nieder wies.«
»Geh', du bist nicht recht vernünftig,« sagte eines der Mädchen.
»Ich bin doch vernünftig, und werde die Sachen bekommen,« antwortete
Hanna.
Die Kinder fing es an zu schauern, und da die Dämmerung auch schon sehr
stark herein zu brechen begann, gingen sie allmählich nach Hause. Einige
gingen um die Wölbung des Berges herum nach Oberplan; aber Hanna ging
über den Berg nach Pichlern. Sie ging an den grauen kaum mehr recht
sichtbaren Steinen vorbei, an den schwarzen Wachholderstauden, an den
dunkeln Föhrenstämmen, und kam in das weiße Häuschen, als auf der
Leuchte schon das helle Feuer brannte, und ihr ihre Mutter daran eine Suppe
kochte.
Von dieser Zeit an wuchs Hanna heran, und entwikelte sich immer mehr
und mehr.
Sie ging noch in die Schule, sie ging immer allein, und wenn sie zum
Lesen aufgerufen wurde, stand sie sittsam auf und erhob die Stimme.
Sie hatte immer ein weißes leinenes Tüchlein um den Busen, auf welches
ihre dunklen Augen hinab schauten, und ihre noch dunkleren Wimpern hinab
zielten. Um das Haupt hatte sie ein färbiges Tuch gebunden, das nach der
Sitte der Gegend im Naken in einen Knopf gewunden war und die breiten
Zipfel auf den Rüken hinab gehen ließ. Als Röklein hatte sie dasjenige an,
das sie bisher immer angehabt hatte.
Als sie erwachsen und so groß war, wie die andern Mädchen von Pichlern,
die man für erwachsen erklärte, ging sie nicht mehr in die Schule, und war
meistens in dem weißen Häuschen ihrer Mutter. Man wußte nicht, ob sie dort
etwas arbeitete, oder was sie sonst that. Wenn sie aber doch mit den Leuten
des Müllers auf die Wiese Heu zu rechen, oder sonst irgend wohin ging, war
sie nicht, wie die Andern, sondern wie eine, die am Sonntage aus der Kirche
geht. Sie gab sehr Acht, daß sie sich nicht beschmuze, und wich mit ihren
Füßen den rauhen Stellen und der Nässe aus. Seit sie erwachsen war, ging sie
auch nicht mehr barfuß, sondern hatte immer Strümpfe und Schuhe an, die
besser waren, als die Andern an Feiertagen hatten.
Obwohl sie sehr wenig gesehen wurde, so ward die zarte Schönheit ihrer
Wangen und der Glanz ihrer Augen doch weit und breit bekannt, und
mancher Wandersmann, den man durch die Föhren gehen sah, ging
ihretwegen, und manches Lied, das Nachts in der Gegend erschallte, wurde
ihretwegen gesungen. Selbst Söhne reicher Bauern waren darunter, und wenn
auch ihre Eltern dachten, das arme Mädchen könne keine Schwiegertochter
abgeben, so meinten die Söhne, daß sie eine sehr gute Schwiegertochter
wäre, und hielten es für ein Glük, wenn sie nur einmal mit ihr an dem
Holzstoße vor dem Häuschen oder unter den grauen Wachholderstauden des
Berges reden, und von ihr zärtliche Worte und freundliche Blike erhalten
könnten.
Aber das Glük wurde keinem zu Theil, außer einem einzigen. Er war nicht
der Schönste unter Allen, ja er war vielleicht weniger schön, als alle Andern,
er war ein schlanker Mann mit blizenden Augen und ungemeiner Kraft in
seinem Körper, und die Leute sagten, Hanna fürchte und liebe ihn. Er war ein
Holzknecht in den oberen Wäldern, der lange Hanns geheißen, aber er war
sehr ehrbegierig und stolz, arbeitete tüchtig, trug Sonntags schöne Kleider,
klimperte mit dem Gelde in der Tasche, und litt keinen Schimpf und Hohn,
wie gering er auch war, sondern nahm den Schimpfenden an dem Kragen des
Hemdes oder an der Schulter, und warf ihn in das Gras, oder in den Sand,
oder in eine Rinne, wie es kam. Dieser Hanns ging oft in das weiße Häuschen
zu Hanna, er brachte ihr Alles, was er erarbeiten konnte, daß sie nichts
entbehre und ihren Leib schmüken könne. Die Leute behaupteten, sie sei
auch dankbar, indem sie sagten, daß sie gesehen hätten, wie sie neben den
grauen Steinen und grauen Sträuchen ihre Arme um ihn geschlungen, und mit
ihren Lippen ihn geküßt hätte.
So war es auch, Hanns hatte selber kein Hehl darüber, er ging immer zu
Hanna, und alle Menschen wußten, daß sie Liebende und Geliebte seien.
2. Der bunte Schlag
Wenn man gegen das Oberplaner Thal hingeht, und sein Angesicht gegen
Westen wendet, so sieht man in dem fernen Blau der Wälder, die man da vor
sich hat, allerlei seltsame Streifen hinziehen, die meistens röthlich matt
leuchtend und dämmerig sind. Sie sind Holzschläge, und die großen Wälder,
von denen man den oberen Wald rechts hat, die Seewand gerade vor sich,
und die Alm links, enthalten viele derselben. Eigene Menschen werden das
ganze Jahr hindurch beschäftigt, und das Geschäft eines Holzhauers ist nicht
freudenlos, und nicht entblößt von dichterischen Reizen, und wenn ein Mann
ein reicheres und weicheres Herz hat, so hängt er mit einer gewissen
Schwermuth an seinem Thun und an den Schaupläzen desselben. Wenn man
von Pichlern durch die Felder westwärts geht, und das Dorf Pernek hinter
sich hat, so beginnen schon die Wälder. Es steht hinter Pernek der Hausberg,
der mit all' den folgenden Wäldern zusammen hängt. Aber auf ihm stehen
zarte Birken und andere gesellige Gruppen von Bäumen auf Rasenpläzen, die
man einst gereutet hat, damit die Rinder dort weiden können. Weiter aufwärts
sind die Wälder schon dichter, und in dem Innern ihrer großen Ausbreitungen
hegen sie die Holzschläge. Wenn man den Rand eines solchen Streifens
betritt, wie wir sie oben genannt haben, so ist er in der Nähe größer und
ausgedehnter, als man sich in der Ferne gedacht hätte, und die Menschen sind
auf ihm beschäftigt. Es liegen wie Halmen gemähten Getreides die
unzähligen Tannenstämme verwirrt herum, und man ist beschäftigt, sie theils
mit der Säge, die langsam hin und her geht, in Blöke zu trennen, theils von
den Aesten, die noch an ihnen sind, zu reinigen. Diese Aeste, welche sonst so
schön und immer grün sind, haben ihre Farbe verloren und das brennende
Ansehen eines Fuchsfelles gewonnen, daher sie in der Holzsprache auch
Füchse heißen. Diese Füchse werden gewöhnlich auf Haufen geworfen, und
die Haufen angezündet, daher sieht man in dem Holzschlage hie und da
zwischen den Stämmen brennende Feuer. An anderen Stellen werden Keile
auf die abgeschnittenen Blöke gestellt, auf die Keile fällt der Schlägel, und
die Blöke werden so getrennt und zerfallen in Scheite. Wieder an andern
Stellen ist eine Gruppe beschäftigt, das Wirrsal der Scheite in Stöße zu
schichten, die nach einem Ausmaße aufgestellt sind, und in denen das Holz
troknet. Diese Stöße stehen oft in langen Reihen und Ordnungen dahin, daß
sie von Ferne aussehen, wie Bänke von röthlich und weiß blinkenden Felsen,
die durch die Waldhöhen hinziehen. An einer Stelle des Holzschlages ist die
Hütte der Arbeiter, das ist, ein von der Erde aufsteigendes Dach, das vorne
mit Stämmen gestüzt und seitwärts mit Zweigen und Reisig gepolstert ist.
Sein Raum enthält das Heulager der Arbeiter, die Truhen mit ihren
Kleidungsstüken, manche Geräthe und Geschirre und allerlei Anderes, was
ihnen in diesem Waldleben nöthig oder nüzlich ist. Vor der Hütte brennt das
Feuer, an dem sich das Mittag- oder Abendmahl bereitet. Es ist nicht viele
Sorge auf Genauigkeit und Holzersparung verwendet, indem um die
kochenden Töpfe gleich ganze Stämme herum liegen, die da verkohlen. Von
solchen verkohlenden Stämmen rührt der schöne blaue Rauch her, den man
oft tagelang aus den fernen Wäldern aufsteigen sieht. Von den Füchsen, die
man in den Holzschlägen verbrennt, kömmt wenig oder gar kein Rauch; denn
Anfangs brennen sie mit einem glänzenden rauchlosen Feuer, dann, wenn die
Nadeln und das Reisig verbrasselt haben, und sich die dikeren Aeste in der
Glut krümmen, erscheint wohl etwas Rauch, aber er ist zu machtlos, kräuselt
sich dünne durch die Zweige der noch stehenden Bäume, und verliert sich am
Himmel. So sieht ein Holzschlag aus, auf ihm ist Leben, Regung und
scheinbare Verwirrung, an seinem Rande, wo er aufhört, ist es stille, und dort
steht wieder, wie es erscheint, der feste, dichte, unerschöpfliche, ergiebige
Wald.
Wenn eine Fläche des Waldes abgeschlagen ist, wenn die Scheite
geordnet, getroknet, weggeführt sind, wenn die Reisige verbrannt wurden,
wenn man keine Hütte der Holzhauer mehr sieht, und die Arbeiter
fortgegangen sind, dann ist der erste Theil des Lebens eines Holzschlages
aus, und es beginnt nun ein ganz anderer, stillerer, einfacherer, aber innigerer.
Wenn die Halde leer dasteht, wenn sie nur mehr manchen schlechten
stehengelassenen Baum wie eine Ruthe gekrümmt trägt, wenn die
blosgelegten Kräuter und Gesträuche des Waldes zerrüttet und welkend
herurn hängen, wenn mancher nicht ganz verbrannte Reisighaufen im
Verwittern begriffen, und ein anderer in den Boden getreten und verkohlt ist:
dann steht die einsame verlassene Bevölkerung von Strünken dahin, und es
schaut der blaue Himmel und schauen die Wolken auf das offene Erdreich
herein, das sie so viele Jahre nicht zu sehen bekommen haben. – Das erste,
was nach langen Zeiten herbei kömmt, um die umgewandelte Stätte zu
besezen, ist die kleine Erdbeere mit den kurzen zurük geschobenen Blättern.
Sie sproßt zuerst auf der schwarzen Erde einzeln hervor, siedelt sich dann um
Steine und liegen gebliebene Blöke an, überranket fleißig den Boden, bis
nichts mehr zu sehen ist, und erfreut sich so sehr der Verlassenheit und der
Hize um die alten sich abschälenden Stöke herum, daß es oft nicht anders ist,
als wäre über ganze Fleke ein brennendes scharlachrothes Tuch ausgebreitet
worden. Wenn es so ist, dann sammelt sich allgemach unter ihren Blättern die
Nässe, und es erscheint auch schon die größere langstielige Erdbeere mit den
gestrekten Blättern und den schlanken Früchten. Es beeilt sich die Himbeere,
die Einbeere kömmt, manche seltsame fremdäugige Blume, Gräser, Gestrippe
und breite Blätter von Kräutern; dann die Eidechse, die Käfer, Falter und
summende Fliegen; mancher Schaft schießt empor mit den jungen
feuchtgrünen Blättern; es wird ein neuer, rauher hochruthiger Anflug, der
unter sich einen nassen sumpfigen Boden hat, und endlich nach Jahren ist
wieder die Pracht des Waldes.
Dies ist der zweite Theil des Lebens eines Holzschlages.
Wenn es nicht so schön ist, wenn kein Wald mehr entstehen soll, dann
werden die Waldgäste mit Absicht hintan gehalten, es wird gereutet, und
lieber statt all' des Anfluges der Geselle des Menschen, das Wiesengras,
heran gelokt, daß Mähepläze entstehen oder Weidepläze für das Vieh werden,
wie man es mit dem Hausberge hinter Pernek gethan hat, der auch einmal
eine schöne Wildniß war, und es jezt nicht mehr ist.
Wenn der Holzhauer auch schon die Stätte seines Wirkens verlassen hat,
so liebt er sie doch noch immer, und wenn er nach langen Jahren durch den
neuen Anwuchs geht, durch die Himbeergesträuche, durch die Gezweige, die
Axt auf der Schulter oder die breite Säge über den Rüken gebunden, so
wandelt er in seinem Reiche, er gedenkt der Tage, wo er hier gewirkt hat, und
wenn er auch nun in andern frischen Wäldern beschäftigt ist, so gehört doch
auch ein Theil seines Herzens der Stelle, auf der einst seine Hütte gestanden
war.
Der lange Hanns arbeitete in dem Schlage des Thußwaldes. Der Thußwald
aber liegt so weit in der Tiefe der Bergrüken zurük, daß die Holzarbeiter die
ganze Woche dort beschäftigt sein mußten, und nur an Sonntägen den weiten
Weg zu den Menschen und in die Kirche hinaus machen konnten. Hanns war
wie ein König in seinem bunten, einsamen, entfernten Schlage. Theils
gehorchten manche ihm freiwillig, weil er ein guter Anordner war, theils
scheuten sich manche, weil er große Körperkräfte besaß, und theils ehrten ihn
Viele, weil er ein vorzüglicher Arbeiter war. Da stand er nun entweder an
einem Stamme, zirkelte die Stelle, wo er angesägt werden solle, daß er
wanke, weiche, und sausend und krachend in das andere Gehölze nieder
stürze – oder er war um den gefallenen Baum beschäftigt, im Gestrippe und
Geniste stehend, daß die Aeste und Zweige weg kämen, und der Stamm frei
zur Arbeit würde – oder er half schon ihn in Stüke zu zertheilen, und da rollte
seine Säge frisch und tüchtig hin und her – oder sein Arm schwang den
Schlägel, daß er klingend auf den Keil fiel – oder er stand hoch auf einem
Stoße, die dargereichten Scheite schnell legend, daß ihm zwei Handreicher
nicht folgen konnten, und daß es unter ihm zusehends wuchs. Er war
gewöhnlich zur Arbeit gehörig gekleidet. An seinem Oberleibe hatte er schier
kein Gewand; denn das grobe Hemd war zurük geschlagen, und an den
Armen weit über den Ellbogen aufgestellt; um die Lenden war das linnene
Kleid, an den Füßen hatte er die starken jedem Dorne und Splitter trozenden
Bundschuhe an, und auf dem Haupte war gewöhnlich nichts, als das röthliche
leuchtende Haar.
So ging die Woche dahin, und so vollendete die Sonne fünfmal ihren
Kreislauf um den Himmel, und beschien fünfmal die seltsamen
verschiedenartigen Dinge des Holzschlages.
Wenn es am Samstage Mittag wurde, da hörte das Wochenwerk auf, und
es wurden Anstalten zum Fortgehen getroffen. Ruhe herrschte auf dem Plaze,
alle Werkzeuge, Kleiderstüke, Töpfe und dergleichen wurden zusammen
gelesen, die Arbeiter trafen bei der Hütte ein, dort wurde einiges
zusammengeschnürt, daß man es mitnehme, Anderes wurde geborgen, daß es
da bleibe, schönere Kleider wurden aus den Truhen hervor gesucht, es
wurden Angesichter gewaschen, Manches wurde noch genestelt, und einige
und andere schlugen den Weg ein, der sie eben ihrer Heimath zuführte.
Mancher ganz Faule blieb auch da und verschlief den Sonntag vor der Hütte
in der lautlosen Stille des Holzschlages, von nichts besucht, als von dem
raschelnden Grase und von der stummen Hize des Tages.
Der größere Theil der Arbeiter ging gegen Pernek und Pichlern hinaus. Sie
mußten Anfangs durch den Thußwald, dann über die Thußeke, dann über
einen Berg, die rauhe Hochstraß geheißen, dann durch Auen, und dann führte
der Weg in das Thal, durch das man gegen Pernek kommen konnte. Man
plauderte gerne auf diesem Gange, man klapperte mit den eisernen Keilen,
man jauchzte oder sang, man schlug sich Feuer und rauchte. Vom
Holzschlage weg gingen Alle miteinander, die diese Richtung hatten, aber je
weiter der Weg führte, desto wenigere wurden sie immer; denn bald nahm
der Eine Abschied und ging seitwärts, bald der Andere, so wie ihr Weg in
ihre Heimath von dem allgemein eingeschlagenen Wege abführte, und nicht
selten geschah es, daß, wenn die untergehende Sonne glutig am Rande der
Seewand lag, und jeder emporragende Zaunpfahl, ja eine herausstehende
Aehre einen langen Schattenstreifen über das Getreide warf, Hanns allein
durch die Perneker Felder ging, und den Weg hinab gegen Pichlern
einschlug. Er ging auf dem Fahrwege hinab, er bog um die große Linde des
Schwarzmüllers, zielte gegen die ferneren dünnen Föhrenstämme, und schritt
auf das weiße Häuschen zu.
Wenn er dort anlangte, war meistens die Mutter, wie sie es am Abende
gewohnt war, Außen herum. Sie schlichtete etwas an dem Holze, oder that
sonst etwas, oder betete, indem sie herum ging, und häufig zur Ziege redete,
die sie nicht eher in den Stall that, als bis sie selber in die Stube ging. Im
Innern saß Hanna in einem reinen schimmernden Gewande. Sie hatte vorher
jedes Stäubchen von dem Tische, der Bank, dem Stuhle und dem Fußboden
gefegt; denn auch das gehörte mit zu ihren Eigenthümlichkeiten, daß sie
außerordentlich reinlich war. Sie wollte nicht mit der Hand und nicht mit dem
Gewande an Staub rühren.
»Die wird Gott strafen, daß sie so stolz ist,« sagten oft die Leute, »und ihn
dazu, daß er so verblendet ist, und ihr Alles anhängt. «
Hanns ging hinein, Hanna sprang auf und grüßte ihn. Er blieb bis spät
Abends, sie plauderten, koseten, aßen; die Mutter war bei ihnen, sprach mit,
aß, oder nikte schlummernd ein wenig mit dem Kopfe, wie es eben kam.
Erst im Sternenscheine ging Hanns fort, und begab sich zu den Leuten, wo
seine Schwester war, und wo er eine Lagerstätte hatte; denn sein Vater und
seine Mutter waren längstens gestorben.
Daß Hanns aber an Hanna etwas verwendete, schien ihm gar nicht leid zu
thun. Wenn er mit ihr bei einem Tanze oder bei sonst einer Gelegenheit war,
wo sie Viele sehen konnten, und wenn nun der eine oder andere junge Mann
mit seinen Augen schier nicht von ihr lassen konnte, und stundenlang sie mit
denselben gleichsam verschlang, so hatte Hanns seine außerordentliche
Freude darüber und triumphirte. Wenn sie spät mit einander nach Hause
gingen, wo die einsame Wachholderstaude stand, oder der graue
verschwiegene Stein des Brunnberges lag, da schlang sie ihren Arm um
seinen Naken, drükte ihn heiß an sich, sah ihn an und flüsterte gute Worte.
Daß da eine außerordentliche unheimliche Seligkeit in ihm war, bewies der
Umstand, daß er ihr von seinen Habseligkeiten Alles, Alles gab.
Am andern Tage, wenn er so einen Feiertag bei ihr zugebracht hatte, sah
man ihn dann wieder in frischen Linnenkleidern, die Axt oder die Keile auf
der Schulter tragend, durch die Felder schreiten und seinem Walde zueilen.
Einmal fragte ihn Hanna, um was er denn am ersten Beichttage die heilige
Jungfrau Maria gebeten habe.
»Ich habe um nichts gebeten,« antwortete er, »du weißt ja, daß ich nicht oft
zu ihr in ihr Kirchlein hinauf komme, weil ich nicht Zeit habe; aber von ferne
und von dem Walde aus, wo er eine Lüke hat, sehe ich das weiße Kirchlein
sehr gerne, weil von ihm nach abwärts die Wachholderstauden anfangen,
dann die Föhren der Pichlerner Weide stehen, und noch weiter unten das
Häuschen ist, in dem du bist.«
»Du solltest aber doch gebeten haben,« sagte Hanna; »denn sie ist sehr
wunderthätig und stark, und was man am ersten Beichttage mit Inbrunst und
Andacht verlangt, das muß in Erfüllung gehen, es geschehe auch, was da
wolle.«
»Das habe ich ja gar nicht gewußt,« sagte Hanns, »es hat es mir damals
Niemand gesagt, und wenn ich es auch gewußt hätte, so hätte ich sie doch
gewiß um nichts gebeten, weil mir nichts gefehlt hat. – Meinst du denn im
Ernste, daß sie etwas thun kann, um was man sie recht bittet?«
»Freilich kann sie es thun,« antwortete Hanna, »weil sie sehr mächtig ist,
und sie thut es auch, weil sie sehr gut ist.«
»Aber am ersten Beichttage muß man sie darum bitten?« fragte Hanns.
»Um was man sie am ersten Beichttage bittet,« sagte Hanna, »das thut sie
immer und jedes Mal; aber auch an jedem andern Tage kann man sie bitten,
und sie kann die Bitte gewähren, weil ihre Macht außerordentlich ist.«
»Aber das ist ja kaum denklich,« erwiederte Hanns, »weil sonst alle Leute
daher kämen, und um die verwirrtesten und verkehrtesten Dinge bäten.«
»Wenn sie um verwirrte und verkehrte Dinge bitten,« sagte Hanna, »so
läßt sie diese nicht in Erfüllung gehen; aber bitten muß man sie immer, weil
man nicht wissen kann, welches Ding verwirrt oder verkehrt ist, und weil sie
allein die Entscheidung hat, was in Erfüllung gehen solle und was nicht.«
Hanns antwortete nun nichts mehr darauf.
Die Liebe, die Zuneigung und die Anhänglichkeit wuchs immer mehr und
mehr. Hanns that Alles, was ihm sein Herz einflößte. Er ehrte die Zeiten, wie
es in jener Gegend gebräuchlich ist. Er sezte Hanna den schönsten Maibaum
vor die Thüre, er wand das schönste Tuch um ihr Haupt und band die
schönste Schürze um ihren Leib, er trug den größten Palmbaum am
Palmsonntage für sie in die Kirche, er stekte sogar eine goldene Nadel in ihr
Haar, er brachte ihr den schönsten Strauß von Walddingen aus seinem
Schlage nach Hause, er führte sie an Sonntagen in die Kirche, und ging mit
ihr, wenn schönes Wetter war, in den Feldern und Wiesen spazieren. Sogar
zu Zeiten, wo es nicht schiklich war, daß er sich bei Hanna im Häuschen
befand, sahen ihn die Leute unter den Föhrenstämmen und Steinen in großen
Kreisen um das Häuschen herum gehen.
3. Der grüne Wald
Im Herbste, da die Blätter sich mit schönen Farben zu mischen begannen,
und Hannsens Schlag noch brennender, feuriger und seltsamer war, erhob
sich die Sage, daß in der Gegend von Oberplan ein großes Jagen sein werde,
daß der Fürst und Grundherr kommen werde, und daß ihn eine Menge Herren
und Frauen begleiten würden. Die Diener hatten das Gerücht ausgebreitet,
aber man wußte nicht, ob ihm die Herren eine Folge geben würden, oder
nicht. So erhielt sich die Sage lange. Endlich aber erschienen wirklich einige
Abgeordnete in Oberplan, welche die Voranstalten zu dem Feste machen
sollten.
Von nun an hatte das Gerücht freien Spielraum, und es ging durch die
ganze Gegend.
Im Stegwalde, hieß es, werde ein Nezjagen sein, in welchem man
Gespinnste aus Seilen aufspannen und das Wild darinnen einfangen werde.
Im oberen Walde, im Langwalde und an der Flaniz sollen Treibjagen sein,
wie man seit Menschengedenken nicht gehört hätte, und sie sollten sich über
tagelange Wälder ausbreiten. Außer dem Jagen sollen auch andere Feste
angeord net sein. Auf den Oberplaner Wiesen, den nämlichen, von denen wir
am Eingange unserer Geschichte gesagt haben, daß die Moldau in großen
Schlangenwindungen durch sie geht, soll ein Essen sein, an dem mehrere
hundert Personen würden Theil nehmen können. Wer nur wolle, dürfe
zuschauen, und auf Schrägen würden Weinfässer aufgestellt sein, von denen
Jedem, der mit einem Geschirr hinzu ginge, herab gelassen würde. Die
Diener würden bei der Tafel aufwarten, und die angesehensten Männer der
Gegend würden eingeladen sein. Außer dem Essen aber soll noch ein
Tanzboden errichtet sein, auf welchem man durch unzählige Blumengewinde
Tänze aufführen würde. Dieses und noch viel Anderes, das man noch gar
nicht wisse, solle geschehen. In der Gegend sollen schon tausend Taglöhner
zu Handlangern, Arbeitern und Treibern gedungen worden sein. Alles werde
durch eine feierliche Messe in dem Gnadenkirchlein zum guten Wasser
eingeleitet werden.
Auf was sich die Leute am meisten freuten, war das Nezjagen, das sich
keiner vorstellen konnte, und von dem keiner eine Ahnung hatte. Nur der
achtzigjährige Schmied in Vorderstift erinnerte sich, als ganz kleiner Knabe
einem solchen Jagen beigewohnt zu haben. In der Dürrau waren Strikneze
und Tücher, unabsehlich zu schauen, aufgespannt gewesen, zuerst weiter,
dann enger, und dann durch einen Vorhang zu schließen, wodurch das Wild
in einem Raume eingesperrt war, in dem es von dem Rande der Tücher herab
erschossen werden konnte. Er unterließ nie, wenn er die Sache erzählte, eines
Bären zu erwähnen, der mit den andern in's Nez getrieben worden war, und
der bald zum allgemeinen Ergözen diente, indem Jeder so schnell als möglich
sein Geschik an ihm versuchen wollte. Da nun die Hirsche oft himmelhohe
Sprünge wagten, ob sie die Leinwand übersezen könnten, ohne daß es ihnen
gelang, so fuhr der Bär, der bereits verwundet war, in seiner Verzweiflung
gegen das Gewebe, pakte es mit seinen Tazen, und riß von dem furchtbar
starken Geflechte eine ganze Streke heraus, so daß Tuch und Nez weg waren,
und daß man von den draußen stehenden Bühnen die nakten Füße und das
Gerüste sammt Verlattung sehen konnte. Der Bär und der ganze gehezte
Schwarm, der noch übrig war, fuhr nun mit großem Getöse durch das Loch
hinaus, und Alle, die zugegen waren, mußten in ein Gelächter ausbrechen.
Ein solches Fest erwartete nun Oberplan, und die Leute waren begierig,
wann die Herren kommen würden. Aber sie kamen immer nicht, weil die
Vorbereitungen noch dauerten. Es war noch der Haber auf den Feldern
gestanden, es war das Sommerkorn noch nicht geschnitten gewesen, und hie
und da lag selbst noch eine Gerste auf den Aekern, als die Bevollmächtigten
angekommen waren: aber die Gerste wurde eingeführt, das Sommerkorn
geschnitten, der Haber gemäht, Beides in die Scheunen gebracht, und man
war noch immer nicht fertig, weil Alles vortrefflich werden sollte. Die Axt
der Zimmerer erklang im Walde, Verzeichnisse von Treibern und Andern
wurden angefertigt, Abmessungen wurden vorgenommen, die Forste, welche
durchstrichen werden sollten, wurden begangen, und Versammlungen und
Rathe sind gehalten worden.
Endlich, als auf den Feldern nur mehr das braungedörrte Kraut der
Kartoffeln und die blaubethauten Häupter des Weißkohles standen, wurde der
Tag bekannt gemacht, an welchem die Jagdgesellschaft eintreffen würde.
Man rüstete sich zu dem Empfange, und Alles war gespannt.
Am Tage vorher trafen Diener, Pferde und Troß ein.
Als am andern Morgen die Sonne aufgegangen war, und ein recht heiterer
funkelnder Herbsthimmel über der Gegend stand, war schon Alles in
Bereitschaft. Um zehn Uhr, als auf dem Thurme das Zeichen gegeben wurde,
daß sie kommen, sah man es auf der Straße von Honetschlag her durch den
Staub von Pferden und Wagen blizen, und als eine Viertelstunde vergangen
war, fuhren sie bei der oberen Gasse herein. Sie fuhren dann über das
Steinbrükchen des heiligen Johannes, und hielten auf der Gasse vor dem
Pfarrhofe und der Schule an, wo der Pfarrer, dann der Schulmeister mit weiß
gekleideten Mädchen und gepuzten Buben und die Obrigkeiten standen. Es
war eine ganze Reihe von Wägen. Männer und Frauen saßen darinnen. Die
Frauen waren nicht geschmükt, sie waren kaum gepuzt. Sie hatten nicht
einmal Reifröke an, sondern nur ein schlichtes einfach hinab fallendes
Jägerkleid. An den Männern war auch nicht zu erkennen, ob sie in
Feierkleidern seien oder nicht; sie hatten sämmtlich Mäntel um; denn es war
kühl, und am Morgen war ein schneeweißer Reif über alle Wiesen gewesen.
Sie hatten Alle ungepuderte Haare, weil sie nicht im Amte oder in einer
festlichen Gesellschaft, sondern nur auf einer Reise begriffen waren. Nur
zwei alte Männer hatten schön gelokte Perüken mit blüthenweißem Staube
darauf. Im ersten Wagen saß der Grundherr, seine Frau und sein Sohn. Die
Buben hatten ein klingendes Lebehoch gerufen, und die Forstmeister,
Revierjäger, Heger und Holzmeister des Herrn standen in Ordnung da. Die
Mädchen warfen grüne Zweige unter die Räder des Wagens. Der Pfarrer trat
hervor, und grüßte den Herrn in einer Rede. Deßgleichen thaten die Richter
und Geschwornen. Als der Herr Allen gedankt hatte, als er mit dem Förster
von Vorderstift, in dessen Reviere der erste Jagdplaz lag, gesprochen hatte,
als er sich besonders freundlich gegen den Schulmeister und die weißen
Mädchen verneigt hatte, und der gelüftete Hut wieder auf seinem Haupte saß:
fuhren sie weiter. Man fuhr zu dem Rathhause, in welchem dem Grundherrn
für die Dauer der Feste seine Wohnung war zubereitet worden. Er stieg aus,
und ging mit den Seinigen in seine Zimmer. Alle Mitgekommenen stiegen
ebenfalls aus ihren Wägen, um sich in ihre bereit gehaltenen Wohnungen zu
verfügen, und sich zu den Festen vorzubereiten. Für die Diener und Pferde
waren an einer Straße, die der Minnegraben hieß, und auf der Weide des
oberen Anspaches bretterne Hütten aufgeschlagen worden, aus denen am
ganzen Tage und einen Theil der Nacht hindurch Zechen und Jubeln
vernommen wurde.
Der Tag verging ohne besonderes Ereigniß, außer daß die Oberplaner in
Angst und Besorgniß waren, dem Küchen- und Kellermeister alles
Erforderliche auszuliefern, und es den hohen Herrschaften recht zu Danke zu
machen.
Am nächsten Tage war blos die Jagdmesse. Das Kirchlein zum guten
Wasser war mit Menschen angefüllt. In den Stühlen, zu denen man noch
vorne mehrere mit Tuch ausgeschlagene gefügt hatte, saßen die Herren und
Frauen. Weiter rükwärts befanden sich die Bewohner der Gegend und Alle,
die von Ferne herbei gekommen waren. Sie sangen zu den Tönen der Orgel
das schöne Marienlied, das man einst eigens für diese Kirche gedichtet hatte,
und das sie Alle kannten. Am Nachmittage begaben sich die Herren nach
Vorderstift, um im Jägerhause zu übernachten, und dem Jagdschauplaze
näher zu sein.
Am Tage, der nun folgte, sollte das große Nezjagen sein.
Die Bewohner der Gegend waren äußerst begierig darauf.
Schon vor Anbruch des Taglichtes gingen die Gruppen auf verschiedenen
Wegen und in gedämpften Gesprächen dem Stegwalde zu. Sie ergözten sich
schon in Vorhinein an den Dingen, die kommen sollten. Das Wild, hieß es,
sei schon alles in dem Nezraume eingeschlossen. Es sollen Hirsche dabei
sein, Hasen, Rehe, auch Dachse, Füchse, Marder und vieles dergleichen, ein
Luchs soll zugegen sein und manches seltene Thier. Ob ein Bär eingegangen
sei, wisse man nicht genau, aber gewiß sei auch einer darunter. Die ganze
Sache sei sehr künstlich. Der Jagdraum, in welchem sich Gesträuche, hohe
Bäume, Steine und selbst Klüfte befinden, sei in einem großen Kreise von
den stärksten Striknezen umfangen, die in eisernen Ringen an gehauenen
Bäumen befestiget wären. Innerhalb der Neze seien Tücher gespannt, daß
Alles hübscher aussähe. Außerhalb derselben befänden sich die Schießstände
der Herren, und gleich hinter denen seien die Bühnen für die Zuschauer; denn
die Herren hätten es selber gerne, wenn viele Zuschauer kämen und ihre
Kunst bewunderten. Um die Thiere in den Raum zu bringen, seien Wege
angelegt worden, nämlich Räume, an welchen zu beiden Seiten Neze empor
gespannt wären; diese Räume wären zuerst sehr weit, würden immer enger
und mündeten endlich mit einer Oeffnung in den Jagdraum. Da, wo diese
Oeffnung sei, befinde sich eine Nezthür, die man sehr schnell von dem
Boden empor ziehen und befestigen könne, damit das Wild, wenn es einmal
in den Kreis eingegangen sei, nicht mehr hinaus zu kommen vermöge. Durch
zehn Tage habe man schon das Wild gegen den Stegwald zusammen treiben
lassen. Es seien Jäger, Heger und Treiber verwendet worden, und hätten auf
der einen Seite gar bei dem Schlosse Sanct Thomas und dem Jungwalde
angefangen, den Forst zu durchstreifen, und auf der andern vom Almwalde
und dem Hochficht, um die Thiere gegen den Stegwald zu drängen. Damit
die Herren zu ihren Schießstätten könnten, sei von der Glökelberger Straße
aus ein Weg mitten durch den grünen Wald angelegt worden, auf dem man
gehen, reiten und fahren könne.
So erzählten sich die Leute und gingen fort. Sie fanden den Weg, der in
den Wald hinein gemacht worden war, und gelangten zu dem Jagdraume.
Lange bevor der Tag angebrochen war, waren schon alle Zuschauerräume
dicht mit Menschen besezt.
Nach Aufgang der Sonne kamen auch die Herren, und stiegen zu ihren
Bühnen empor. Jeder hatte einen geräumigen Plaz, auf dem ein Gestelle
angebracht war, an welchem die glänzenden Jagdbüchsen lehnten. Jeder hatte
auch zwei Diener hinter sich, die beständig laden und die Gewehre darreichen
sollten. Heute waren die Herren alle in vollem Puze und hatten die Mäntel in
den Wägen, in denen sie gegen den Wald gekommen waren, liegen gelassen.
An den Westen und Röken hatten sie goldene Borden, und Alle hatten kleine
mit Gold ausgelegte Hirschfänger an den Schößen, sie trugen sämmtlich
gepuderte Haare und darauf einen dreiekigen Hut. Die meisten waren in
Tannengrün gekleidet, und nur einige hatten auch Kleidertheile von
hochgelbem Lederstoffe. Wo nicht Borden waren, war häufig schöne Stikerei
auf den Gewändern, und die Troddeln des auf die Weste herab gehenden
Halstuches hatten goldene Fransen.
Von den Frauen und Mädchen, die zu den Herren gehörten, war keine
einzige zugegen, nicht einmal die, die doch in Jägerkleidern nach Oberplan
gekommen waren. Der Schulmeister von Oberplan sagte, die Frauen dürften
wohl Jägerkleider anhaben, aber nicht jagen; die Sitte erlaube nicht einmal,
daß die Frauen bei dem Tödten der Thiere zugegen seien, weil sie zu zart und
zu fein sind, so daß sich nur das Schäferspiel für sie schike, daß ihnen die
Herren nur Blumensträuße reichen, sie mit der Laute begleiten, oder beim
Menuette führen dürfen.
Die Mädchen und Frauen der Gegend und des Landes hatten diese
Gesinnungen nicht; denn es waren sehr viele zum Zuschauen herbei
gekommen, und ihre Augen und Mienen verriethen fast die brennende
Neugierde und das klopfende Herz. Sie waren sonntäglich gekleidet, trugen
zum Theile Reifröke, zum Theile das kurze faltenreiche Rökchen und
meistens auch Zwikelstrümpfe und Stökelschuhe. Manche Vornehmere hatte
weißbestäubtes Haar.
Als alle Schüzen an ihrem Plaze standen, und als auch sonst Alles in
Ordnung war, begann eine rauschende Waldmusik von Hörnern und andern
klingenden Instrumenten; aber von dem Jagdraume herauf erschollen
Schrektöne und plözliche Rufe der Angst; denn die Ohren des Waldes
kannten nur die Laute des Donners und Sturmes, nicht den Schrekklang
tönender Musik. Als dieses große Musikstük aus war, that ein einzelnes
Jagdhorn helle auffordernde liebliche Rufe, und dies war das Zeichen, daß
die Jagd beginne. Man ließ, da das Horn geendet hatte, die Hunde aus ihren
Behältern gegen den Raum los, daß das Wild auffahre und gegen seine
umstrikenden Wände ankämpfe. Plözlich wurde es nun in dem Nezraume
lebendig, man sah das schlanke Waldwild durch die Gesträuche huschen, und
hie und da legte sich eine Büchse an das weißbestäubte Haar. Man vernahm
von einer Seite her einen Schuß, dann von einer andern her wieder einen, und
da es Unten immer lebendiger wurde, und da die Thiere immer heftiger
durcheinander fuhren, blizte und krachte es von allen Seiten. Ein Hirsch sezte
über alle Gebüsche, sprang endlich gegen das Linnen so hoch auf, als wollte
er eine Himmelsleiter überspringen, wurde im Sprunge getroffen, überstürzte
sich und fiel hernieder. Eine wilde Kaze schoß jäh an einem Baume empor,
um sich von ihm aus über die Neze hinaus zu werfen, aber sie wurde von
einer Kugel auf ihrem Baume erreicht, schnellte in einem Bogen hoch über
den Wipfel und fiel auf die Erde. So ereigneten sich auf verschiedenen
Stellen verschiedene Dinge. Als es schon eine ganze Weile fast
ununterbrochen geknallt, und der Raum sich mit Pulverdampf gefüllt hatte,
als endlich die Schüsse immer seltener wurden, und nur mehr einzelne zu
hören waren: so erschallte wieder die klingende Musik und ertönte wieder
nach ihr das einzelne Jägerhorn, zum Zeichen, daß man nun aufhören solle.
Die Schüsse hörten auch auf, die Büchsen wurden in die Stände gestellt, und
der weiße Rauch verzog sich durch die schöngezakten grünen Wipfel der
Tannen und durch die entfernteren Buchen. Man ließ nun an verschiedenen
Stellen die Neze hernieder, und das Wild, das übrig geblieben war, weil es
sich in die Gesträuche oder gar in Klüfte gedukt hatte, konnte in den
schüzenden Wald entrinnen, und den größten Angsttag seines Lebens
vergessen. Die Diener lokten die Hunde zu sich, um die verwundeten zu
salben, und den hungrigen Nahrung zu geben. Hierauf erschienen mehrere
Jäger, Heger und andere Leute, und suchten in dem Jagdraume herum, um
das gefallene Wild zu finden und zusammen zu tragen. Auch manche Herren
und andere Leute stiegen in den Jagdraum nieder, um sich das Wild zu
betrachten und die Spuren der eben vergangenen Begebenheit zu sehen.
Die Schüzen und die Zuschauer mischten sich auf ihren Bühnen, und da
das Vergnügen allgemein gewesen war, so redeten jezt auch Alle mit
einander. Da wollte es der Zufall, daß Hanna, die Tochter des armen Weibes,
die auch herbei gekommen war, dem Feste zuzuschauen, neben einen
außerordentlich schönen jungen Mann von vornehmem Stande zu stehen
kam. Dieser Mann war schon früher aufgefallen. Er war, der allgemeinen
Sitte zuwider, der einzige, der keine weißbestäubten Haare trug, sondern
seine eigenen Loken, die von wunderschönem Gelb waren, bis auf die
Schultern und auf den Rokkragen niederfallen ließ. Er hatte sehr gut
geschossen, hatte immer auf die unsichersten Punkte gezielt und immer
getroffen. Er war so schön, daß er, wie die Landleute sagen, wie Milch und
Blut aussah, seine Augen waren groß und sanft, und er war schier prächtiger
gekleidet, als alle Andern.
Da Hanna so neben ihm stand, erblikte sie ein Mann aus dem Volke, der
sich unten in dem Nezraume befand, zeigte mit dem Finger hinauf und rief:
»Das ist das schönste Paar!«
Das Volk, welches ohnehin schon in eine höhere Stimmung gekommen
war, welches an der Jagd den lebhaftesten Antheil genommen, mit den
Fingern nach dieser und jener Stelle gezeigt und freudig gejubelt hatte, wenn
sich etwas Merkwürdiges zugetragen hatte, war zu dem Ungewöhnlichsten
aufgelegt. Kaum hatte es also die Worte des Mannes vernommen, so rief es
gleichsam mit einer Stimme und laut: »Das ist das schönste Paar, das ist das
schönste Paar!«
Der junge Mann wandte sich in seiner Verwirrung gegen Hanna und sah
sie an. Da wurde sein Angesicht so scharlachroth, wie die Bänder, an denen
er seinen Hirschfänger hängen hatte.
Hanna wandte sich ebenfalls nach dem Rufe gegen ihren Nachbar, und da
sie den ausgezeichneten Mann gesehen hatte, wurde ihr Antliz gleichsam mit
dem dunkelsten Blute übergossen. Sie sah ihn eine Weile mit offenen Augen
an, dann drängte sie sich unter das Volk und ging über die Treppe hinab. Ihr
Benehmen war wie das einer Trunkenen.
Da das Hin- und Hergehen und Sprechen noch eine Zeit gedauert hatte,
fing man an, sich zu entfernen. Die Diener sammelten die Gewehre auf den
Schießständen und trugen sie fort. Die einzelnen Herren begaben sich gegen
die Treppen, und suchten ihre Wägen zu gewinnen. Den jungen Mann
umringten seine Freunde und wünschten ihm Glük. Von Hanna war nichts
mehr zu sehen; sie ging bereits mit mehreren schön gepuzten Freundinnen,
die sich zu ihr gesellt hatten, auf dem durch den Wald gehauenen Wege
hinaus. Die jüngeren Schüzen hatten sich meistens Reitpferde kommen
lassen. Diese wurden vorgeführt und in Ordnung gerichtet, daß man sie
besteigen und in Gesellschaft davon reiten könnte.
Auch das Volk, dessen Erregung und Uebermuth durch den Ausruf über
Hanna gleichsam den höchsten Gipfel erreicht hatte, begann sich zu
entfernen. Aber es ging fast insgesammt, wie es gewöhnlich bei
Vergnügungen unersättlich ist, gegen Vorderstift hinaus, um dem
Mittagsessen der Herren zuzuschauen, von dem es hieß, daß es offen auf der
grünen Weide würde abgehalten werden.
Bald war es auf dem Jagdraume leer. Der feinste Rauch hatte sich
verzogen, und die Bäume standen in ihrem glänzenden Nadelgrün oder in der
stillen Glut ihres rothen und gelben Laubes da. Nur die leeren Gerüste und
die zerknikten Zweige gaben Zeugniß von der hier statt gehabten
Versammlung.
Die Lezten, welche den Schauplaz verließen, waren diejenigen, denen die
Obsorge über das gefallene Wild anvertraut war. Sie hatten Karren in den
Nezplaz bringen lassen, hatten das Wild aufgeladen, und fuhren in
Begleitung von Jägern, die die lechzenden Hunde an der Leine führten, durch
die stille von dem Dufte der zerquetschten Kräuter geschwängerte Waldluft
auf dem einsamen Wege hinaus, der vor ihnen von so vielen Pferden und
Menschen betreten worden war.
Das Mittagsmahl hatte wirklich auf der Weide vor dem Jägerhause zu
Vorderstift statt. Bei demselben waren auch die Frauen zugegen. Sie waren
so eingetheilt, daß immer zwischen zwei Herren eine Frau oder ein Fräulein
saß. Die angesehenen Männer der Gegend, welche als geladene Schüzen der
Jagd beigewohnt hatten, waren auch zu dem Mahle geladen, und hatten ihre
Frauen und Töchter bringen müssen. Die ganze Gesellschaft saß an zwei
langen Tischen dahin. Ueber ihren Häuptern war ein roth und weiß gestreiftes
Tuch gespannt. Zwischen den Pfeilern, welche das Tuch trugen, waren die
Räume hie und da frei, hie und da aber mit feinem fast durchsichtigem
Gewebe bespannt. Auf den Tafeln standen die Speisen, standen die feinen
Gläser mit den Weinen, und standen in schönen Geschirren die wenigen
Blumen der Gärten und Felder, die man in dieser Jahreszeit noch hatte
auftreiben können. Rings herum waren auch noch allerlei andere Geräthe,
namentlich Körbe, die die Herren von der Ferne mitgebracht hatten, und aus
denen die Diener, welche aufwarteten und Speisen trugen, kostbare Gebäke
und andere Dinge auspakten. Das Volk stand in großer Menge und dicht um
das linnene Gebäude der Speisenden herum, und sah zu. Man hatte von den
großen Fässern mit Wein, welche herbei gebracht worden waren und im
Grase lagen, auch den Gebrauch gemacht, daß man die Flüssigkeit in große
Krüge herabließ, und dem Volke, wenn es wollte, einen Willkommenstrunk
gab. Es waren deßhalb eine Menge Gläser und Krüglein vorhanden. Auch
war auf mehreren Tischen auf dem Raume der Weide Braten und anderes
Speisengemische zur Bewirthung aufgestellt. Die Armen und auch Andere,
welche sich nicht scheuten, gingen hinzu, ließen es sich schmeken und
tranken von dem Weine. Die aber, welche das nicht thun wollten, begaben
sich zu dem Schmied in Vorderstift, dessen Sohn zu dieser Gelegenheit große
Vorräthe von Bier, Wein und Speisen auf seine Wiese hatte bringen lassen,
hielten dort gegen Bezahlung ihr Mittagmahl, und begaben sich wieder zum
Anschauen des Festes. Das Fest aber dauerte bis in die Nacht. Da es dunkel
wurde, ließ man gläserne Ballen kommen, in denen Lichter brannten, die auf
die Tische gestellt wurden und eine überraschende Wirkung hervor brachten.
Draußen war die dunkle Nacht auf der Haide, an deren Saume die schwarzen
Wälder warteten, dunkle Menschen von einzelnen getragenen Lichtern
unterbrochen, bewegten sich auf der Haide, dichte Menschen, hell in den
Angesichtern beleuchtet, standen um das glänzende Bauwerk, und feine
Strahlen spannen sich aus dem Gewebe in die Räume hinaus. Da die Herren
von den Weinen tranken, wurden sie gesprächiger, und da die Gläser und
Krüge in dem Volke viel herum gingen, sprach es auch unter sich und wurde
heiter. Zulezt, da an der Tafel Lebehoch ausgebracht wurden auf Seine
Majestät den Kaiser, auf alle wakeren Heerführer, auf den Grundherrn, auf
jeden rechtschaffenen Mann und sämmtliche schönen Frauen, da wurde die
Freude allgemein, viele Gläser strekten sich, von den Händen der Herren
gehalten, bei dem Linnengebäude des Speisesaales heraus, um mit dem
Volke anzustoßen, und die Rufe auf das Glük und die Gesundheit Aller, die
es gut mit uns meinen, und die wir lieben, tönten weit in die Nacht hinaus.
Endlich wurde das Fest aus, man erhob sich von der Tafel, um sich in das
Jägerhaus zu begeben. Den Beschluß des Tages machte ein schöner Zug von
Fakeln, bei deren Scheine sich die Herren, von denen jeder eine Frau oder ein
Jungfräulein führte, zu Fuße nach Oberplan verfügten. Das gesammte Volk
ging mit. Erst als die Schüzen und Gäste ihre Herbergen gesucht, und man
die Fakeln eine nach der andern ausgelöscht hatte, zerstreute sich die Menge
und begab sich auf die verschiedenen Wege nach Hause. In dieser einsamen
Gegend, wo selten andere Abwechslungen vorkommen, als die des Wetters,
der Jahreszeiten, und fruchtbarer und unfruchtbarer Jahre, wird, konnte man
vorhersagen, das Andenken an diesen Tag nicht so leicht erlöschen, und
Enkel und Urenkel werden sich von dem merkwürdigen Feste, das in dem
Stegwalde und in Vorderstift einst gefeiert worden ist, erzählen.
Nach diesem Festtage sollten, wie es ausgemacht worden war, mehrere
Zwischentage folgen, bis das zweite Jagen statt haben konnte. Diese
Zwischentage sollten namentlich dazu dienen, daß der Grundherr manche
Orte und manche Werke und Anlagen besuchen und besehen konnte, die er in
dieser Gegend hatte, und zu denen er nicht so bald wieder kommen würde.
Seine Gäste könnten es sich in dieser Zeit einrichten, wie sie wollten, und
sich die Zeit mit Spielen, Herumgehen und andern Dingen, die sie erlustigten,
vertreiben.
Der Herr ritt mit mehreren Begleitern auf dem neugemachten Wege nach
dem Hüttenwalde, und durch diesen gegen den Hüttenhof und gegen die Alm,
wo er eine Viehzüchterei und Käsewirthschaft hatte, er ritt dahin, um diese
Dinge zu besehen, die Waldbesamungen zu besuchen, und die Geisberge, den
Urbach und die Ratschläge zu besehen. Der Weg, den er nach und nach
zurükzulegen hatte, war ein sehr langer.
Die zurükgeblieben waren, schafften Kähne herbei, und machten eine
Fahrt auf der Moldau unter Schallmeien und Tannenkränzen. Dann fischten
einige, dann besuchten sie Höhen, von denen man weit herum sah, oder sie
gingen mit den Frauen und Fräulein in den Fluren spazieren.
In Oberplan war wegen dieser Dinge eine ganz außergewöhnliche
Stimmung. Weil die Gegend so einsam liegt, so war der Vorstellungskreis der
Bewohner durch die Ankunft der Herren verrükt worden. Es kam ihnen vor,
als ob Jahrmarkt wäre, oder als ob Theaterspieler gekommen wären, oder als
ob zur Fastnachtszeit Vermummungen aufgeführt würden. Jeder ging nach
Verrichtung seiner Geschäfte noch gerne aus dem Hause, um einem der
fremden Gäste zu begegnen, oder sie gehen zu sehen, oder sonst seine
Neugierde zu befriedigen. Alle waren darin einig, daß die Herren sehr
leutselig wären, daß sie mit jedem Weibe und jedem Kinde sprächen und sich
sehr freundlich betrügen.
Das zufällige Nebeneinanderstehen Hanna's und des schönen jungen Herrn
war nicht ohne weitere Folgen geblieben. Er hatte ausgeforscht, wer das
Mädchen wäre und wo es wohne. Er war nach Pichlern zu dem weißen
Häuschen gegangen, und hatte mit Hanna und der Mutter geredet. Er war
öfter hinüber gegangen und hatte öfter mit Hanna geredet. Auch in Oberplan
hatte er sie gesehen, wenn sie Neugierde halber hinüber kam, er hatte sie
begleitet, und einmal hatte man ihn gar vor ihr im hohen Erlengebüsche auf
den Knieen liegen gesehen, ihre Hand mit inbrünstigem Bitten haltend, und
mit den wunderschönen Augen zu ihr hinauf blikend. Weil die andern
Herren, welche zur Besichtigung mancher Werke der Gegend fortgeritten
waren, viele Tage ausblieben, konnte die Sache in den Gang kommen, und
Hanna auch von Empfindungen ergriffen werden. Die Beiden gingen mit
einander im Kosen durch die Fluren, sie gingen an dem Wachholder und den
grauen Steinen vorbei, sie gingen an der niedern Mauer, die als
Feldeinfassung von dem weißen Häuschen durch die Thalniederung gegen
das Gemurmel des Baches hinan lief, sie gingen an den blutrothen Blättern
des Kirschengeheges, oder saßen auf den geraden und senkrechten Pfeilern
des Felsens der Milchbäuerin. Er ging an dem hellen lichten Tage in das
weiße Häuschen hinüber, oder er sendete sehr prächtig gekleidete Diener mit
Botschaften an Hanna dahin. Man erstaunte über diese Dinge, und die alte
Mutter war wie blödsinnig, und machte Knixe, wenn der schöne Herr oder
seine Diener in das Häuschen traten.
Endlich bemächtigte sich der Ruf dieser Sache, und trug seine Gerüchte in
der Gegend herum. Guido, wie die mitgekommenen Freunde den jungen
Mann immer nannten, werde Hanna heirathen, sie werde zu einem erstaunlich
hohen Stande erhoben werden, die Gegend, in welche man nur zu jagen
gekommen sei, werde ein ganz anderes Fest, ein unglaubliches Fest und ein
unvergeßlicheres Fest zu sehen bekommen, als die anfänglich bestellten
Jagdfeste. Es sei schon Alles gewiß, und dem weißen Häuschen stehe eine
Freude bevor, die man sich gar nicht vorstellen könne. Es seien jezt nur erst
die Edelsteine, die goldgewirkten Kleider und die spinnengewebefeine
Wäsche unter Weges, und wenn diese angekommen wären, dann werde Alles
öffentlich bekannt gemacht werden, und kein Zweifel mehr sein.
Weil jezt Alles nach ganz anderem Maßstabe in Oberplan geschah, als zu
sonstigen Zeiten, so waren auch alle Köpfe verrükt, und hatten nur schöne
Kleider und Hoffahrt und gnädige Frauen und gnädige Herren vor Augen.
Die Bewohner von Pichlern, die weniger in Berührung mit den Gästen
kamen, schauten nur mit Scheu und Verwunderung auf das weiße Häuschen.
4. Der dunkle Baum
Hanns wußte von dem Allem nichts. Der Grundherr wollte nämlich auch
alle seine Holzschläge besuchen, und hatte deshalb den Befehl ergehen
lassen, daß kein Arbeiter seinen Plaz verlassen dürfe, bis er nicht dort
gewesen und den Fortgang des Geschäftes gesehen hätte. Dies war die
Ursache, daß Hanns nicht nur das Jagdfest nicht hatte besehen können,
sondern daß er auch troz des Sonntages, der in diese Zeit fiel, nicht in die
Gegend hinaus gekommen war.
Endlich aber war der Grundherr mit den Herren, die ihn begleitet hatten,
überall, wo er zu thun hatte, und also auch in Hannsens Holzschlage
gewesen. Die Folge hievon war, daß er nicht nur selber nach Oberplan
zurükkehrte, sondern auch seinen Arbeitern in Betracht seiner Zufriedenheit
mit ihnen und in Betracht der außerordentlichen Zeit erlaubte, mehrere Tage
zu feiern und hinaus zu gehen, und die Feste anzuschauen.
Hanns ging von seinem Walde nach Pichlern.
Als er dort angekommen war, ging er zu dem weißen Häuschen; aber er
fand es verschlossen. Auf sein Befragen erfuhr er nun Alles.
Er ging zu seiner Schwester und zog die Sonntagskleider an.
Dann ging er wieder zu dem Häuschen, das noch verschlossen war. Die
Mutter, hieß es, sei mit ihrer Ziege auf den Brunnberg gegangen oder sonst
irgend wohin; und Hanna befinde sich in Oberplan oder in einem andern
Orte, wo man die Vorbereitungen zu dem großen morgigen Jagen im
Langwalde treffe.
Hanns ging nun in die grauen Steine. Er sezte sich dort auf einen derselben
nieder, und hielt den Kopf fest in beiden Händen, gleichsam als warte er.
Da aber eine Zeit vergangen war, stand er wieder auf und schlug den Weg
nach Oberplan ein. Als er gegen die Wiesen kam, in denen die Moldau in
einer Schlange geht, erstaunte er über das, was er sah. Eine große Menge von
Menschen war versammelt. Das Bretterhaus, das zu dem großen Tanzfeste
dienen sollte, war schon aufgebaut und ragte aus dem Menschengewühle
hervor. Hanns wußte nicht, was das zu bedeuten habe. Als er aber sah, daß
sich um dieses hölzerne Gebäude die meisten Leute drängten, ging er auch
auf dasselbe zu. Er erreichte den Plaz und sah, daß um das Gebäude eine
Treppenrundung lief, über die man hinaufgehen konnte, wo dann Säulen
standen, die den Bau zierten, und zwischen denen man in das Innere sehen
und auch an vielen Stellen hinein gehen konnte. Er stieg die Stufen zwischen
den Menschen empor und stellte sich neben eine Säule. Da sah er im Innern
einen großen Raum, auf dem gepuzte Herren herum gingen oder standen, er
sah einen erhöhteren Raum, der um den ersten herumlief, auf dem sich
Tische und Stühle befanden, und er sah noch ganz Oben rings herum einen
Bau, wie eine zierliche Bühne, auf der man sizen und nach abwärts schauen
konnte. Ueberall gab es Menschen. An den Säulen und Brettern waren schon
die Nägel und Latten, an denen man die Lampen, die Tuchverzierungen und
Blumen befestigen würde.
Hanns fragte einen Mann, an dem er dicht gedrängt stand, was es gäbe.
»Es werden die Treiber, die Heger, die Jäger und alles Andere verlesen,
was morgen bei der Treibjagd im Langwalde statt haben solle,« antwortete
der Mann.
Wirklich sah Hanns mehrere Herren an einem Tische mit Papieren
beschäftigt, er sah, wie sie sprachen, und an manche Bewohner der Gegend
Zettel vertheilten.
Oben auf der zierlichen Bühne sah er nebst vielen andern Menschen auch
Hanna sizen. Sie saß neben dem wunderschönen Guido, hatte ihre weiche
Hand in seine beiden gelegt, und so sahen sie in den Saal hinab.
Jezt trat ein Herr von dem Tische weg und rief: »Nun wollen wir die
Schüzen verlesen, auf welchen Ständen sie sich morgen vor Tagesanbruch
einfinden sollen, und auf welchen Jeder, ehe die Sonne aufgeht, gerüstet
dastehen muß.«
Es ward in dem Saale etwas stiller, und der Herr las mit lauter Stimme aus
einem Papiere vor: »Herr Andreas bei der rothen Lake.«
»Weiß sie nicht.«
»Gidi wird dich führen.«
»Herr Gunibald in der Kreixe.«
»Weiß sie.«
»Herr Friedrich von Eschberg am gebrannten Steine.«
»Weiß ihn nicht.«
»Der Schmied Feirer wird euch begleiten.«
»Herr Guido beim beschriebenen Tännling.«
»Weiß ihn.«
»Herr Albrecht Hammermann im Fuchslug.«
»Weiß es.«
»Herr Thorngar am Brunnkreß – Herr Wenhard am Obergehag – Herr
Emerich im Auwörth.«
»Wissen es.«
Und so ging es fort, bis sämmtliche Herren und Schüzen herab gelesen
waren. Da dies das Lezte war, was verkündet werden mußte, so gingen die
meisten Herren und mit ihnen auch andere Leute von dem Holzgebäude fort.
Hanna und Guido erhoben sich und verschwanden hinter dem Volke. Hanns
drängte sich durch die Leute, die an der äußeren Treppe waren, um die Stelle
zu gewinnen, an der Hanna aus dem Gebäude kommen mußte. Als er dahin
gelangte, sah er, daß sie bereits in einem leichten schönen Wagen saß, daß
Guido bei ihr saß, daß sich ein prächtig gekleideter Diener hinten hinauf
schwang, und daß der Wagen fort rollte. Er rollte an den nächsten Häusern,
wo man einen Weg über die Wiesen gemacht hatte, herum, und schlug die
Straße nach Vorderstift ein.
Hanns wendete sich um und ging nach Pichlern. Er hatte dort bei seiner
Schwester einen Schrein, in welchem er seine Arbeitsgeräthe, die er eben
nicht auf dem Holzplaze brauchte, aufbewahrt hatte. Er öffnete die Thür des
Schreines, und sah auf die Dinge, die da in angebrachten Querhölzern in
Einschnitten stekten. Er nahm zuerst einen Bohrer heraus und stekte ihn
wieder hin, dann nahm er ein Sägeblatt, besah es und stekte es wieder in die
Rinne. Dann nahm er eine Axt, wie er sie gerne anwendete, wenn er
keilförmige Einschnitte in die Bäume auszuschrotten hatte. Diese Aexte
haben gerne einen langen Stiel, sie selber sind schmal und von scharfer
Schneide. Diese Axt nahm er heraus und that die Thür des Schreines wieder
zu. Dann ging er in die Schwarzmühle, wo sie hinter dem Gebäude der
Brettersäge unter einem Ueberdache einen Schleifstein haben, den man
mittelst eines Wässerleins, das man auf sein Rad leitete, in Bewegung sezen
konnte. Hanns rükte das Brett, das das Wasser dämmte, sezte den Stein in
Bewegung und schliff seine Axt. Als er damit fertig war, lenkte er das
Wasser wieder ab, stillte den Stein, nahm die Axt auf seine Schulter, wie er
sie gerne hatte, wenn er sich nach dem Thußwalde begab, und ging davon. Er
ging hinter dem Dorfe durch die Gärten des Weißkohles gegen den
Brunnberg zu.
Das Töchterlein eines armen Weibes, das man die Sittibwitwe nannte, sah
ihn dort gehen und sagte: »Mutter, da geht Hanns.«
»Laß ihn gehen,« sagte diese, »das ist eine sehr unglükselige Geschichte.«
Hanns stieg über die sehr niedere Mauer, die um die Kohlgärten aus losen
Steinen gelegt war, und ging durch die verkrüppelten Erlenstauden und durch
die Wachholdergebüsche empor, durch welche Hanna an ihrem ersten
Beichttage in der Dämmerung hernieder gegangen war. Er ging an der
Milchbäuerin vorüber und begab sich zu den zwei Brunnenhäuschen. Dort
lehnte er die Axt an den Stamm der Linde, kniete vor der Thür des einen
Häuschens nieder, nahm den Stiel des Schöpfers, schöpfte sich Wasser
heraus und trank einen Theil davon. Mit dem Reste benezte er sich die Stirne,
benezte sich die Augenbrauen, die Augenlider und dann die Augen selber. Er
ließ eine geraume Zeit das Naß auf diesen Theilen des Körpers liegen, dann
zog er ein Taschentuch hervor und troknete sich ab. Als dies geschehen war,
schüttete er das Wasser, das noch in dem kleinen Schöpfkübel war, aus, und
schöpfte sich neues. Von diesem that er noch einmal einen Trunk und
schüttete den Rest in den Brunnen zurük. Hierauf legte er den Schöpfkübel in
seine gewöhnliche schwimmende Lage auf das Wasser und erhob sich von
den Knieen. Er nahm wieder die Axt und schlug den Weg zwischen den
Baumreihen zu dem Kirchlein zum guten Wasser ein.
Als er bei dem Kirchlein angekommen war, dessen Thür offen stand, blieb
er auf dem Grabsteine, der vor der Thüre liegt, stehen, und that seinen Hut
ab. Dann ging er hinein, den Hut in der einen seiner Hände haltend. Mit der
andern nahm er die Axt, die er trug, von der Schulter, und lehnte sie neben
dem Beken, das das Weihwasser enthielt, in eine Mauereke. Hierauf ging er
bis zu dem Hochaltare hinvor. In dem Kirchlein war Niemand, als zwei sehr
alte Mütterlein, die vielleicht die einzigen waren, welche von dem
Verhältnisse zwischen Hanns und Hanna nichts wußten. Hanns kniete an den
Stufen des Hochaltares, auf welchem sich die schmerzhafte Jungfrau Maria
befand, nieder. Er legte den Hut neben sich, faltete die Hände und betete. Er
betete sehr lange. Dann lös'te er die gefalteten Hände auf, neigte sich
vorwärts, neigte sich immer mehr und legte sich endlich auf den kalten Stein,
daß seine Arme auf demselben lagen, und seine Lippen denselben berührten.
Er küßte den Stein mehrere und wiederholte Male. Dann richtete er sich nach
und nach auf, und blieb wieder knien und betete wieder. Als er genug gebetet
hatte, that er die gefalteten Hände wieder auseinander, fuhr mit der rechten
gegen die Stirne und machte das Zeichen des heiligen Kreuzes. Dann nahm er
den neben sich liegenden Hut, stand auf und ging wieder in der Kirche zurük.
Die Mütterlein machten einen demüthigen und kirchlichen Gruß gegen ihn
mit Neigen des Hauptes. An der Thür nahm er mit den Fingerspizen
Weihwasser aus dem Beken, besprizte sich das Antliz und machte wieder das
Kreuzzeichen. Dann nahm er wieder seine Axt aus der Mauereke, that sie auf
die Schulter, trat aus der Kirche und sezte den Hut auf.
Von der Kirche ging er zu dem Kreuze empor. An demselben legte er
wieder den Hut und die Axt ab, kniete auf den flachen Stein, der vor dem
Holze lag, er kniete so nahe, daß seine Brust fast dicht an dem rothen
Stamme war, und betete da wieder. Nachdem er gebetet hatte, nahm er
abermals Hut und Axt.
Gegen den Gipfel des Kreuzberges sehen dunkle Waldhäupter herein. Man
sieht sie, wenn man den fernen blauen Alpen, die im Süden sind, den Rüken
zuwendet. Die Waldhäupter sind durch ein Thal von dem Kreuzberge
geschieden, führen den Namen des oberen Waldes, und leiten quer über ein
Thal in den Langwald. Hanns, nachdem er von dem Beten aufgestanden war,
wendete gar nicht den Rüken, der gegen Oberplan und seine Bewohner
gerichtet war, sondern sah gegen die Waldhäupter. Er ging in der Richtung
gegen sie über den Berg hinab. Im Thale unten beginnen dünnstehende
Föhrenstämme, die den Namen der Schieder führen. Hanns ging zwischen
den Stämmen und auf dem sumpfigen Boden, der sich unter ihnen befindet,
dahin. Er ging durch die Wiesen, die jenseits der Schieder sind, und klomm
endlich die Höhen des oberen Waldes hinan, der dichten verworrenen
Baumwuchs und in ihm das eigenthümliche Gedämmer schwerer Wälder hat.
Er klomm zwischen den Stämmen immer weiter und weiter hinan. Die Kuppe
des oberen Waldes ist ein von Bäumen entblös'ter Fels, von dem aus man das
böhmische Waldland wie ein graues Gewebe liegen, und seine Teiche darin
wie Lichtblike glänzen sieht. Als Hanns diese Kuppe erreicht hatte, blieb er
eine Weile stehen und betrachtete das Land, vielleicht die höchste
menschliche Gestalt, die man heute in den Lüften hätte erbliken können. Er
blieb eine gute Weile stehen und sah hinaus. Die Sonne war nur mehr einen
kleinen Bogen von dem Rande der Westwälder entfernt. Dann ging er wieder
weiter.
Er ging jezt einen sanften Abhang schief abwärts, der mit Gebüschen,
Laubbäumen und Steinen besezt war. Er ging immer fort. Wo die Dachung
des Gehölzes minder schief war, und wieder fast sich ebenem Lande gleich
gestaltete, that sich eine längliche Waldwiese auf, auf der neben einem
grauen Steinhaufen ein Schoppen stand, in den man im Sommer das Heu
thut, um es im Winter auf dem gefrornen Hochschnee mit Handschlitten nach
Hause zu bringen. Hanns stand vor dem Schoppen, und sah eine Weile in das
Heu hinein. Dann sah er mit der Hand über den Augen nach dem Stande der
Sonne. Diese blikte nur mehr durch die niederen vergoldeten Tannenzweige
herein. Dann ging er wieder weiter. Er ging jezt durch dichten dunkelnden
Wald. Er ging an starken Stämmen vorüber, die die rauhe Rinde hatten, und
von deren verdorrten Aesten die grünen Bärte des Mooses herunter hingen.
Er ging an großen Steinen vorüber, die mit einer weichen Hülle bedekt
waren, auf der zarte Fäden und feuchte Blättchen wuchsen. Er ging auf dem
modrigen Boden, der die tausendjährigen Abfälle der Bäume enthielt, und
dem Tritte keinen Widerstand leistete. Er ging auf keinem Wege, weil er die
Gestalt und Richtungen des Waldes auch ohne Weg sehr gut kannte. –
Endlich war er an seinem Ziele. Ein sehr hoher Baum stand unter den andern
ebenfalls hohen und alten Bäumen des Waldes. Hanns lehnte die Axt an den
Stamm und sah den Baum an. In seiner Rinde waren die Zeichen der Liebe
eingegraben: ein Herz mit Flammen, die durch auseinander gehende Striche
angedeutet waren, ein Ring, der zwei Namen umfaßte, ein Kreuz, das aus
Keilen empor ragte, der Name Maria's, der aus verschlungenen Buchstaben
zusammengesezt war, dann andere Namen, in zwei Buchstaben bestehend,
oft verziert mit einem Kränzlein oder dergleichen, oft ohne Verzierung,
zuweilen frisch, so wie die Besizer noch in Jugend unter den Lebenden
wandeln, zuweilen vernarbt und unkenntlich, so wie die Liebenden schon
durch Alter eingebükt, oder im Grabe bereits zerfallen sind. Der Baum stand
sehr hoch in die Abendluft empor, und zeichnete seine Zaken, weil er eine
Tanne war, in dieselbe. Die wagrechten Aeste ruhten wie die ausgebreiteten
Fittige eines Vogels in der Luft. An dem Fuße des Stammes lagen einige
Steine, als wären sie zum Sizen und Ausruhen her gelegt worden. Auch ging
ein schwaches Waldweglein an dem Baume vorbei, auf dem aber Hanns nicht
gekommen war.
Nachdem Hanns den Baum so betrachtet hatte, nachdem er eine Weile so
gestanden war, knöpfte er sich den Rok bis an's Kinn zu und sezte sich auf
die Steine, die an dem Fuße des Stammes lagen. Es war der Abend schon
sehr stark herein gebrochen, und Hanns sah mit seinen Augen in das Dunkel
und in die Dämmerung. Die Baumgitter, die emporwachsenden und nun
verdorrten Kräuter und der Boden waren nicht mehr zu unterscheiden, nur
daß ein feuchter Punkt oder ein schwaches Wässerlein noch zeitweilig blizte.
Aber endlich hörte auch dieses auf, und es war nur eine einzige Finsterniß, in
der Alles still war.
Hanns saß mit dem Rüken an dem Stamme und schlummerte.
Da kam in der Nacht eine seltsame Erscheinung. Um den Baum wurde es
immer lichter und lichter, so daß seine Zaken deutlich in der Helle standen
und erkennbar waren. Der Baum war so hoch, daß er bis in den Himmel
reichte, und bis in den Himmel reichte die Helle um seine Zaken. In den
Zweigen hoch im Himmel stand das Bildniß der heiligen Jungfrau, wie es im
Kirchlein zum guten Wasser ist, und doch war sein Antliz und seine Züge
recht deutlich zu erkennen. Auf dem Haupte war die Krone, aus der Brust
standen die sieben Schwerter und in dem Schooße ruhte der gekreuzigte
Sohn. Das Bild hatte den Blumenstrauß in der Hand, von dem die Bänder
nieder gehen, es hatte das starre seidene Kleid an mit den Flimmern, mit den
gestikten Blumen und den gewundenen Stängeln. Das Antliz aber sah
strenge, unerbittlich strenge auf Hanns hernieder. Es sah unverwandt und
ernst auf ihn nieder. Da ermannte sich Hanns, er erwachte, er wandte das
Haupt aufwärts und sah in den Baum. Der Baum war wieder so klein
geworden wie sonst, die heilige Jungfrau stand nicht mehr in den Zweigen,
aber ein großes Stük Mond, das, indessen Hanns geschlafen hatte,
aufgegangen und über den Wald herüber gerükt war, stand fast gerade über
den Baum, daß seine Zweige glänzten, daß zwischen ihnen lange
Lichtstreifen wie silberne Bänder auf Hanns nieder gingen, und daß die
Dinge des Waldes in einem zweifelhaften aber doch erkennbaren Lichte da
standen. Hanns erhob sich von seinem Size, trat ein wenig seitwärts, und sah
wieder auf den Baum. Aber es war immer das Nämliche. Da fuhr Hanns mit
der Hand über sein Angesicht, und sagte die Worte: »Es muß etwas
Verworrenes gewesen sein, um das ich gebeten habe.«
Dann nahm er den Rok etwas enger zusammen, und drükte die Oberarme
gegen den Leib; denn es war ihm im Schlafe sehr kalt geworden. Dann ging
er wieder gegen den Baumstamm, und griff mit den Händen in der Gegend,
wo er die Axt hingelehnt hatte. Als er sie gefunden hatte, nahm er sie in die
Hand, trat weg und sah wieder auf den Baum. Dann sah er noch einmal
hinauf, schulterte dann seine Axt und ging von der Stelle fort.
Er ging in anderer Richtung als er gekommen war, er ging zwischen den
Stämmen und an den hie und da von dem Monde beleuchteten Gesträuchen
dahin.
Als der Morgen anbrach, an dem die Treibjagd im Langwalde sein sollte,
war er schon weit von demselben entfernt. Er ging auf den baumentblößten
Höhen dahin, die nicht weit von dem Markte Wallern sich hinziehen.
Der Mann schien ganz gebrochen zu sein. In einer Hütte, die eine halbe
Stunde Weges von Wallern liegt, bat er um eine Suppe. Als man ihm dieselbe
aus Milch und Mehl gemacht hatte, und als er dieselbe getrunken hatte, begab
er sich wieder auf den Weg. Er lenkte von der bisherigen Richtung ab und
schlug die nach dem Thußwalde ein.
Als er in seinem Holzschlage angekommen war, legte er sich unter der
Bretterhütte in das Heu und in die getrokneten Kräuter des Waldes, die dort
zur Lagerstelle waren. Dort blieb er immer liegen, so lange die Festlichkeiten
in Oberplan dauerten, und so lange die anderen Holzknechte, welche freie
Zeit hatten, zur Beschauung derselben sich draußen befanden. Nur ein Paar
alte Weiber waren wegen Beschwerlichkeit des langen Weges zurük
geblieben, sie unterhielten das Feuer vor der Hütte, kochten sich und gaben
auch Hanns zu essen.
Die Jagd im Langwalde war an dem Tage abgehalten worden. Guido stand
schon vor Aufgang der Sonne an dem beschriebenen Tännlinge. Weiter unten
im Dikichte stand sein Diener, und so waren in dem ganzen Walde die
einzelnen Männer zerstreut, daß das Wild, wenn es vor dem Lärme der
Treiber dahin strich, zu Schusse käme, und seinen Zoll, bevor es in unbesezte
Reviere ausbrechen konnte, abgäbe. Die meisten Schüzen zogen diese Art
Jagd bei weitem einer Nezjagd vor, weil dem Wilde der Raum zur Flucht
gegeben ist, und eine Geschiklichkeit erfordert wird, den Augenblik zu
benüzen, um das flüchtende Gewild nieder zu streken. Nur das Volk hatte
von dieser Jagd weniger Vergnügen, weil es nicht zuschauen und sich nur an
dem heimgebrachten Wilde, an den Sträußen auf den Hüten und an den
fröhlichen Mienen der Schüzen ergözen konnte. Guido hatte einen Hirsch an
dem beschriebenen Tännlinge geschossen, ein Anderer etwas anderes, und so
vergnügt waren alle Schüzen, daß man noch ein zweites Treibjagen
verabredete, ehe es zu dem Balle auf den Moldauwiesen käme, obwohl dieses
zweite Treibjagen nicht in dem ursprünglichen Plane gelegen war.
An der Ausschmükung und Herstellung der Gebäude auf den
Moldauwiesen zu dem großen Tanzfeste wurde auch auf das Eifrigste
gearbeitet.
Indessen geschah das Außerordentliche, was manche geahnt, manche
vorausgesagt, und doch wenige eigentlich geglaubt hatten. Hanna wurde
öffentlich als Guido's Braut erklärt. Sie sollte mit ihm sammt ihrer Mutter auf
seine Besizungen geführt und dort getraut werden. Von dem Augenblike der
Erklärung an stand immer ein schöner leichter Wagen vor dem weißen
Häuschen, den sie beliebig gebrauchen konnte. Kleider und Schmuk waren
auch angekommen. Die Bewohner von Pichlern sahen sie in einem schönen
Gewande, um den Hals hatte sie ein glänzendes kostbares Ding, und um den
schönen Arm einen goldenen Ring.
Das zweite Treibjagen war in einer andern Waldgegend abgehalten
worden.
Jezt kam auch die Nacht des Tanzfestes, des lezten Festes, das gefeiert
werden sollte. Die Holzgebäude mit allen ihren Ausschmükungen waren
fertig geworden. Unermeßliche Zuschauermengen strömten von allen
Gegenden zusammen, und drängten sich in dem Raume außerhalb der
Säulen. So viele Lichter waren angezündet worden, daß man meinte, der
ganze innere Bau lodere im Feuer. So viele kunstreich gemachte Blumen
waren verschwendet worden, daß man meinte, so viele natürliche könnten in
zwei Jahren nicht in Oberplan wachsen. Die Herren und Frauen waren so
schön, so außerordentlich schön, daß Alles, was man bisher gesehen hatte,
nur ein Spielwerk und ein kindisches Ding dagegen war. Sie führten
angenehme Tänze auf, Menuette und andere. Das feinste Bakwerk und süße
Weine wurden an die Frauen vertheilt. Das Höchste waren Spiele und
Masken. Es waren Schäfer und Schäferinnen, Bauern und Bäuerinnen, Jäger,
Bergleute, Zauberinnen, dann Götter und Göttinnen, insbesondere Venus und
Adonis zugegen. Hanna nahm schon an dem Feste in dem kostbaren
Gewande der vornehmen Frauen Antheil. Erst gegen Morgen entfernten sich
die Gäste, erloschen die Lichter, und begaben sich die mit Verwunderung
überladenen Zuschauer auf den Heimweg.
Der Tag war der Ruhe gewidmet. Der nächste war zur Abfahrt bestimmt.
Als dieser Tag angebrochen war, geschah der Abzug aller Herren und
Frauen zu Wagen und zu Pferd mit Dienerschaft und Troß, wie es der
Jagdmarschall vorher bestimmt hatte. Hanna und ihre Mutter, die bereits
Dienerinnen hatten, waren in dem Zuge.
In Oberplan und in der Umgegend war es nun leer und stille. Das Gebäude
auf den Wiesen wurde abgetragen, das Gerüste im Stegwalde wurde
abgebrochen, und bald war das Ganze in der Erinnerung der Menschen, wie
ein Traum.
Nach einiger Zeit kam die amtliche Kunde von der Vermählung Hanna's
und Guido's. Die Leute sagten, daß sie in einem sehr schönen Schlosse
wohne, und daß auch die Mutter in demselben size, aber traurig sei. –
Hanns hatte lange nach diesen Ereignissen erst erzählt, was ihm am
beschriebenen Tännlinge begegnet wäre.
Jahre nach Jahren waren vergangen. Hanns blieb immer im Holzschlage.
Als seine Schwester, die geheiratet hatte, kurz nach ihrem Manne gestorben
war, nahm er die drei hinterlassenen Kinder zu sich, und ernährte sie.
Als nach vielen Jahren Hanna wieder einmal in die Gegend kam,
begegnete sie Hanns. Sie fuhr eben auf dem Wege zwischen Pichlern und
Pernek. Sie hatte eine dunkle sammtne Ueberhülle um ihren Körper und war
in dem Wagen zurük gelehnt. Ihr Angesicht war fein und bleich, die Augen
standen ruhig unter der Stirne, die Lippen waren ebenfalls schier bleich, und
der Leib war runder und voller geworden. Hanns, dessen Angesicht Furchen
hatte, stand auf dem Wege. Er hatte sich an ein mit Leinwand überspanntes
Wägelchen gespannt, in dem er die drei Kinder eben in seinen Holzschlag
führte. Hanna, die ihn nicht kannte, wollte dem armen Manne eine Wohlthat
erweisen, und warf einen Thaler aus ihrem Wagen auf die Erde. Hanns aber
hatte sie gar wohl erkannt.
Er ließ später den Thaler in eine Fassung geben, und hing ihn in dem
Kirchlein zum guten Wasser auf, wie man silberne oder wächserne Füße und
Hände in solchen Kirchen aufzuhängen pflegt. – –
Als eine Zeit nach Hanna's Vermählung sich ihre Gespielinnen an den
Abend ihres ersten Beichttages erinnerten und sagten, daß Hanna's
Voraussagung in Erfüllung gegangen sei, daß sie nun schöne Kleider habe
mit gewundenen Stängeln und Gold- und Silberstikerei, und daß sich an ihr
die Gnade der heiligen Jungfrau recht sichtlich erwiesen habe, erwiederte der
uralte Schmied in Vorderstift: »An ihr hat sich eher ihre Verwünschung als
ihre Gnade gezeigt – ihre Weisheit, Gnade und Wunderthätigkeit haben sich
an Jemand ganz anderem erwiesen.«

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