Warum nicht auch mal etwas dreister sein?

Nicht jeder ist so nassforsch, dass er einen Fremden auf der Straße anpumpen könnte. Oder ihn darum bittet, mal eben von seinem Handy aus telefonieren zu dürfen. Oder vom Laptop des Nachbarn aus im Internet surfen zu dürfen, um ein paar Mails abzurufen. Eben weil die Meisten so denken und sich vornehm zurückhaltend geben, ergreifen Sie die Initiative und landen den Überraschungcoup. Sie nehmen das Heft in die Hand.

Das ist der erste Schritt in ein anderes Leben, in ein besseres – „Alles-Umsonst-Leben“! Das kann man auch trainieren. Fangen Sie klein an. Bitten Sie jemanden, Sie doch ein paar (Kilo-) Meter im Auto mitzunehmen. Ganz Dreiste machen es an der Roten Ampel. Klopfen Sie ans Autofenster und bitten um Mitnahme. Wer sagt da schon nein? Man setzt den Fahrer unter Zugzwang. Jetzt noch lange diskutieren geht nicht. Die Ampel schaltet gleich auf Gelb, der Fahrer scharrt schon mit den Hufen. Und wenn man erst einmal drin ist, setzen Sie noch eins drauf. Bitten Sie den Überrumpelten jetzt, doch einen kleinen Umweg für Sie zu fahren. Sie sind am Drücker, Sie handeln hier. So lernen Sie, auf Kosten anderer Leute zu leben, ohne diesen jedoch zu schaden. Trainieren Sie Ihr selbstbewusstes Ego. Treten Sie sicher und bestimmt auf. Das stößt zwar gemeinhin ab, Sie haben aber immer den Fuß in der Tür. Im Zweifel sehen Sie den Autofahrer sowieso nie wieder. Das müssen Sie sich immer wieder sagen. Das machen auch übrigens viele Geizkragen, wenn sie im Restaurant eine Rechnung bezahlen, natürlich ohne Trinkgeld: Der sieht mich nie wieder! Wenn Sie diesen Stil erst einmal verinnerlicht haben, gelingt Ihnen noch viel mehr. Sie werden so dreist, dass Sie gar auf dem Bahnsteig den Bestohlenen spielen können. Sie bitten Passanten um ein paar Euro für die Bahnfahrt nach Hause zu Ihrer Familie. Die Kinder warten schon auf Sie. Wer kann da schon Ihrem Dackelblick widerstehen. Die paar Euro tun dem Herrn im Nadelstreifenanzug nicht weh. Und schon wieder haben Sie etwas gratis erhalten, ohne in der Fußgängerzone mit dem Hut zu betteln – und ohne einen Finger zu krümmen. Zugegeben, die Hand aufhalten müssen Sie schon. Aber warum nicht, was vergibt man sich dabei schon?

Nutzen Sie Ihren psychologischen Vorteil – und greifen Sie ab, was das Zeug hält. So kommen Sie fein durchs Leben, umsonst. Ohne Moos ist doch sehr viel los!

Weltweites Netzwerk von Freunden

Bauen Sie sich ein Netzwerk von Freunden auf – weltweit. Das ist unbezahlbar, wie Sie gleich feststellen werden. Übers Internet ist es heute so einfach. Es gibt so viele Foren und Chats. Dort treffen Sie Ihre neuen Freunde. Schaffen Sie Vertrautheit, Freundlichkeit. Zeichnen Sie sich als liebenswerten, hilfsbereiten Menschen. Bieten Sie Unter-stützung an. Stellen Sie Abhängigkeiten her. Bauen Sie Freundschaften regelrecht auf – von London über New York bis nach San Francisco, Peking und vielleicht auch nach Hawaii oder Bali. Und schon wissen Sie, wo Sie demnächst mal übernachten können, kostenlos natürlich. Es war doch immer schon Ihr Traum, nach Hawaii zu kommen. Nun haben Sie einen Freund auf der Trauminsel. Das ist der erste Schritt zum kostenlosen Übernachten – weltweit! Ein Freundesnetzwerk ist unbezahlbar. In manchen Internet-Chats sind Leute so dreist, die veröffentlichen gar ihren „Reisekalender“: Im Januar bin ich in Rio, Februar ist New York an der Reihe, San Francisco folgt danach, eventuell Abstecher nach Hawaii, im Mai beginnt meine Europatour von Paris nach London, der Nahe Osten mit Golf-Anrainern folgt von Juni bis Juli, Peking/Schanghai im August, Oktober Thailand, Hongkong und danach Australien. Die sind so offen und sagen das klar in der Absicht, dass potentielle Freunde, die sie sehen wollen, sich dazwischen schieben müssen. Nun ja, ganz so krass passiert´s nicht alle Tage, aber man kann es ja mal versuchen, etwas dezenter vielleicht. So lebt es sich auf Kosten weltweit lebender Freunde. Denn man hat immer irgendwo gerade ein Bett für Sie frei.

Anzeigenblatt ist Fundgrube

Halten Sie die Augen auf. Das Geld liegt nämlich buchstäblich auf der Straße. Sie müssen nur zugreifen. Nehmen Sie zum Beispiel das kostenlose Anzeigenblatt, das Ihnen jede Woche frei Haus gebracht wird. Lesen Sie es intensiv. Da wimmelt es von Einladungen, Gewinnspielen, Preisausschreiben und Events. Es ist bekanntlich leichter, dort einen guten Treffer zu landen als für teures Geld Lotto zu spielen. Ihr Anzeigenblatt ist eine wahre Fundgrube. Ob die Kirchegemeinde zum Kaffeekränzchen einlädt, der Kindergarten zum Jubiläumsfest oder die Innenstadtgemeinschaft ein Fass aufmacht, Sie sind dabei – für UMSONST versteht sich. Machen Sie beim Sommerpreisrätsel mit und gewinnen Sie eine Urlaubsreise. Gehen Sie zu Stadtfesten, Verkaufsausstellungen, Werbeveranstaltungen oder nehmen Sie an Verlosungen von Büchern, CDs oder Präsentkörben und Anti-Falten-Behandlungen teil. Alles Mögliche wird gerade in Anzeigenblättern beworben. Da gibt es auch Flugtickets und Zugfahrten zu gewinnen, Eintrittskarten für Sport- und Konzertveranstaltungen: Machen Sie sich ein schönes Leben – für lau. Ob neue Produkte von der Auto-Kühlbox bis hin zum Beautypaket oder Neueröffnungen, überall gibt es was abzustauben. Mitnehmen heisst hier die Devise. Und hinterher verticken Sie es für Geld in einer der vielen Internetauktionen.

Die Kröten brauchen Sie doch, um sich das Billigticket nach New York leisten zu können, zu Ihrem Freund, der auf Sie wartet und Sie vielleicht auch noch vom Flughafen abholt. Es gibt tatsächlich Leute, die machen daraus inzwischen eine lukrative Beschäftigung. Bei denen stapelt sich allerlei kostenloser Kram, den sie dann im Internet verhökern. Was soll man auch selbst mit fünf Rucksäcken, drei Edel-Kugelschreiber, Füllfederhalter, Radiowecker, CD-Player sowie Büchern stapelweise anfangen? Wer es geschickt anstellt, verdient anschließend sogar noch am Versand, indem er Verpackung extra berechnet sowie eine kleine Bearbeitungsgebühr draufsattelt. So lebt man umsonst, und das gar nicht mal schlecht.

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