Vorwort

Der Schock sitzt tief. Viele Eltern wollen es nicht wahrhaben: der eigene Sohn, die eigene Tochter schwul oder lesbisch? Das kann doch nicht wahr sein!

Es ist doch bestimmt nur eine vorübergehende Fehlorientierung in der Pubertät, wo Heranwachsende sowieso nicht wissen, ob sie Fisch oder Fleisch sind. Ja, es ist eine Krankheit, die man wieder heilen kann, trösten sich viele in anderen Kulturkreisen selbst darüber hinweg, wo Homosexualität verpönt oder gar geächtet ist. Solche Gedanken kommen oft auf. Gerade in Gesellschaften, wo darauf hin erzogen wurde, dass Männlein und Weiblein doch bitte schön zusammengehören.

Wie aber reagiert man nun als Eltern, wenn die Orientierung der eigenen Kinder zum gleichen Geschlecht doch Gewissheit wird – vor allem, wie reagiert man richtig?

Eltern sind hin- und hergerissen – zwischen massivem Druck auf den Nachwuchs, der eigenen Schmach im sozialen Umfeld und dem Verständnis für die Kinder.

Dabei darf man auch nicht übersehen, dass die Betroffenen oft selbst mit ihrer Andersartigkeit nicht herausrücken wollen oder können. Sie merken, dass sie anders sind und aus dem Rahmen fallen. Natürlich möchten Sie nicht zum Gespött ihrer Umgebung werden und einen täglichen Spießrutenlauf durchleben. Dazu kommen in dieser Altersklasse die oft derben Sprüche über Schwule und Lesben. „Tucke“ ist da noch der harmloseste. Es kann aber auch echt derb werden wie „Kinderficker“ oder „Aidskranker“, von dem man sich fernhalten muss und vor dem man seine eigenen Kinder erst mal schützen muss. Weggesperrt gehören solche Typen, ja die Reaktionen herrschen auch vor.

Es gibt auch heute noch Kulturen wie in China, in denen Schwule und Lesben ausgegrenzt werden. Eltern müssen umziehen. Den Kontakt mit den Betroffenen meidet man, weil sie ja angeblich ansteckend krank sind. Kinder lässt man nicht in ihre Nähe kommen. Und man darf auch nicht übersehen, dass Homosexualität in manchen Ländern immer noch unter Strafe steht und sogar teils mit dem Tod bedroht ist.

Sehr oft unterdrücken auch in unserem Kulturkreis Betroffene ihre Gefühle aus Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung. Hierbei kommt es auch auf den Charakter und die körperliche Konstitution sowie auf das Umfeld an. Hat der Schwule oder die Lesbe eine starke Persönlichkeit mit großem Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, dann fällt ein Coming Out leichter.

Lebt man in einer sehr offenen liberalen Familie und kann über alles reden, ist es einfacher, auch über Sexualität und Orientierung zu sprechen. Ist man dagegen in einer sehr traditionellen, verschlossenen, zugeknöpften Familie, in der solche Themen Tabus sind, kehrt man doch eher die Probleme unter den Teppich, macht seine Schwierigkeiten mit sich selbst aus – bis es eines Tages doch durch einen dummen Zufall rauskommt. Dann ist der Aufschrei aber umso größer.

Stellen Sie sich als Eltern doch bitte immer zwei Szenarien vor: Was für einen wahnsinnigen Vertrauensbeweis an Sie bedeutet es doch, wenn sich Ihr Kind mit seinem Coming Out an Sie wendet? Und wie kann auf der anderen Seite ein Verhältnis Eltern-Kinder auf Dauer, ja sogar auf Lebenszeit zerrüttet werden, wenn man nicht verständnisvoll, sondern vorwurfsvoll mit der etwas anderen Orientierung umgeht, wenn es darüber zum Streit und zur Verachtung, ja zur Ausgrenzung kommt?

Sie haben bis hierhin alles richtig gemacht. Mit dem Kauf dieses Ratgebers bekommen Sie Hilfen an die Hand, mit denen Sie das Thema am besten anpacken. Natürlich ist jede Problemlage anders. Ihren individuellen Weg müssen Sie schon selbst gehen. Sie sind doch verunsichert und wissen nicht damit umzugehen. „Mama, ich bin lesbisch“ – ja was soll man darauf schon spontan antworten? Vor allem, wenn Sie Anzeichen spüren, dass Ihr Kind anders sein könnte, bereitet Sie dieser Ratgeber darauf vor, den richtigen Ton zu finden. Machen Sie sich das Leben nicht selbst allzu schwer. Nutzen Sie die Tipps und Tricks aus diesem Ratgeber, um gemeinsam mit Ihrem Kind das Beste aus der Situation zu machen. Am Ende werden Sie nicht mehr sagen: Hilfe, mein Kind ist schwul oder lesbisch – sondern: Ich freue mich, dass ich ein so prächtiges Kind habe!

Was soll das eigentlich „Bist du schwul?“

Warum erweckt Homosexualität eigentlich eine solche Aufmerksamkeit? Fragen wir bei heterosexueller Veranlagung auch so intensiv nach. Wie treibt ihr es denn, wie oft macht ihr es? Was interessiert uns eigentlich die Orientierung unserer Mitmenschen? Ist ein homosexueller Geschäftspartner oder Arbeitskollege weniger wert als ein heterosexueller? Kann man ihm etwa nicht vertrauen? Warum wird Sexualität überhaupt zu einem Kriterium, wenn wir vermuten oder wissen, da ist etwas Andersartiges im Busch?

Fragen wir eigentlich heterosexuelle Paare auch so intensiv nach ihren Praktiken? Nein, eben nicht. Und genau darin liegt die Krux. Was interessiert es uns, wie Lesben Sex haben und zu ihrem Höhepunkt kommen? Bei Schwulen ist es etwas einfacher nachvollziehbar. Sie haben ihren Schwanz, ob der nun von einer Frau oder einem Mann stimuliert wird, ist dabei relativ egal, aber hier spielt sich eben der Orgasmus ab. Frauen fehlt diese Möglichkeit, dieses Sexualorgan zur natürlichen Stimulation, sie müssen ihren Orgasmus irgendwie künstlich herbeiführen oder dafür Hilfsmittel in Anspruch nehmen.

Solche Gedanken sind unangebracht, und doch herrschen sie vor – insbesondere in den Amtsstuben dann, wenn zwei Gleichgeschlechtliche heiraten wollen. Man spricht in dem Fall von einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und hat sich noch nicht zu dem Begriff Heirat durchgerungen. Dann kommt auch schnell die irrsinnige Frage auf: Wer hat denn in der Beziehung die Hosen an, wer ist Mann und wer Frau, wer der Ehemann und wer die Ehefrau? Ein Mann stellt seinen Ehemann vor? Und was ist, wenn er sagt „Das ist mein Partner!“? Geschäftspartner vielleicht nur?

Alle diese Gedanken führen uns doch vor Augen, wie verklemmt das Thema belegt ist. Homosexualität ist etwas Exotisches, ja man will es aber jetzt doch etwas genauer wissen. Es wird noch lange Zeit dauern, bis hier Normalität einkehrt.

Was ist denn überhaupt schwul oder lesbisch?

Man spricht von Homosexualität, wenn jemand das gleiche Geschlecht liebt, mit ihm/ihr Sex hat und mit dem gleichen Geschlecht zusammenlebt sowie eine Partnerschaft ähnlich wie eine Ehe eingeht – im Gegensatz zur Heterosexualität, die als normale sexuelle Veranlagung gilt und die typische Partnerschaft zwischen Mann und Frau darstellt.

Wenn Mann und Frau sich lieben, heiraten und Kinder zeugen, gilt das gemeinhin als zweckbestimmt, nämlich sich fortzupflanzen. Sonst würde ja jede Rasse schnell aussterben.

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